In diesem Winter zeigt sich die Ostsee vor der polnischen Küste stellenweise wieder von ihrer eisigen Seite. Nach Angaben des Instituts für Meteorologie und Wasserwirtschaft (IMGW) haben anhaltende Minusgrade dazu geführt, dass sich in geschützten Buchten dichte Eisfelder gebildet haben. Besonders betroffen sind die Putziger Bucht sowie das Frische Haff. Nur vor Swinemünde bleibt das Meer bislang eisfrei.
Meteorologen erklären, dass schon einige Wochen Frost reichen, um die flachen Küstengewässer zufrieren zu lassen. Ruhiges Wetter ohne Stürme begünstigt dabei die Ausbreitung des Eises, während auf offener See Wellen und Strömungen die Eisbildung meist verhindern. Auch der geringe Salzgehalt in Küstennähe spielt eine Rolle.
Solche Winterepisoden erinnern an frühere Zeiten, als die Ostsee deutlich häufiger komplett zufror. Historische Berichte erzählen davon, dass Menschen über das Eis reisten – teilweise sogar mit Schlitten oder Pferden. Im Mittelalter sollen Händler und Reisende auf dem Eis Rast gemacht haben, und Chroniken erwähnen sogar Schenken, die in strengen Wintern auf der gefrorenen See entstanden.
Besonders bekannt ist der Winter 1658, als der schwedische König Karl X. Gustav während des Nordischen Krieges mit Tausenden Soldaten und schwerem Gerät über die zugefrorenen Belte nach Dänemark zog. Auch der extreme Winter 1708/1709 brachte die Schifffahrt monatelang zum Erliegen – erst Mitte Mai konnten wieder erste Schiffe den Hafen von Danzig erreichen.
Heute sorgt das Eis zwar vor allem für Einschränkungen im Hafenbetrieb und Probleme für Fischer, doch die Behörden warnen auch vor Leichtsinn: Das Betreten unsicherer Eisflächen sei gefährlich, Eisbrecher stehen vorsorglich bereit.
PAP/jc