Wie aus den Dokumenten hervorgeht, ließ Antonio Aguto im März 2024 eine Transporthülle mit als „geheim“ eingestuften Karten zur militärischen Lage in der Ukraine in einem Zug zurück. Die Unterlagen blieben demnach mehr als 24 Stunden unbeaufsichtigt, nachdem der Zug Polen erreicht hatte. Erst anschließend wurden sie von Mitarbeitern der US-Botschaft in Kiew sichergestellt.
In dem Pentagon-Bericht wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass unklar sei, wer in der Zwischenzeit Zugriff auf die sensiblen Dokumente gehabt habe. Wörtlich heißt es demnach: „Wir wissen nicht, wer die Kontrolle über die geheimen Karten hatte, als die Reisenden in den Zug einstiegen.“ Aguto habe die Verantwortung für den Vorfall übernommen.
Die Untersuchung wurde nach anonymen Hinweisen eingeleitet und befasst sich auch mit einem weiteren Vorfall zwei Monate später. Bei einem Besuch in Kiew im Mai 2024 soll der General bei einem offiziellen Abendessen erhebliche Mengen hochprozentigen Alkohols getrunken haben. Laut Bericht räumte Aguto selbst ein, „in gewissem Maße betrunken“ gewesen zu sein.
Zeugen schilderten, dass der Offizier mehrfach gestürzt sei und sich dabei am Kopf verletzt habe. Ein regionaler Sicherheitsbeauftragter gab laut Bericht an, Aguto habe ihn angesehen, „als kenne er ihn kaum“, und habe deutlich nach Alkohol gerochen. Nach Angaben der Ermittler erlitt der General bei den Stürzen eine Gehirnerschütterung.
Aguto verteidigte sein Verhalten und erklärte, er habe „in gutem Glauben“ gehandelt. Zudem habe er eine mündliche Erlaubnis gehabt, mehr Alkohol als üblich zu trinken. Nach eigenen Angaben sei er von General Darryl Williams, dem damaligen Kommandeur der US-Armee in Europa, entsprechend ermutigt worden. Zugleich verwies er auf die aus seiner Sicht kulturelle Bedeutung von Alkoholkonsum bei offiziellen Abendessen in Osteuropa.
Die von Aguto geführte Einheit spielte seit ihrer Aufstellung im Jahr 2022 eine zentrale Rolle bei der Organisation und Koordinierung westlicher Militärhilfe für die Ukraine. Nach einem Beschluss des NATO-Gipfels im Jahr 2024 wurden diese Aufgaben teilweise in die Strukturen des Bündnisses überführt.
PAP/jc