Deutsche Redaktion

Warschau erinnert mit Narzissen an Ghettoaufstand

14.04.2026 10:18
Anlässlich des Jahrestages des Aufstands im Warschauer Ghetto, organisiert das Museum der Geschichte der Polnischen Juden POLIN in Warschau zum 14. Mal die Gedenkaktion „Żonkile“ (Narzissen). Am 19. April soll in der polnischen Hauptstadt symbolisch die dreimillionste Papiernarzisse an Passanten verteilt werden.
Das Museum POLIN verteilt symbolisch die dreimillionste gelbe Narzisse.
Das Museum POLIN verteilt symbolisch die dreimillionste gelbe Narzisse.MUZEUM HISTORII ŻYDÓW POLSKICH

Die Aktion erinnert an den Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto am 19. April 1943. Sie hat sich nach Angaben von Museumsdirektor Dariusz Stola von einer lokalen Initiative zu einem internationalen Projekt entwickelt, an dem sich Menschen in mehr als 50 Ländern beteiligen. Ziel sei es, nicht nur an den Aufstand zu erinnern, sondern auch an die jahrhundertelange Geschichte der jüdischen Gemeinschaft in Warschau.

Zu den diesjährigen Botschaftern der Aktion gehören unter anderem der Reporter Mariusz Szczygieł, die Schauspielerinnen Kamila Urzędowska und Julia Kamińska sowie der Künstler Dominik Więcek. Auch die Zeitzeugin Krystyna Budnicka unterstützt die Initiative. Sie überlebte als einziges Mitglied ihrer Familie den Aufstand.

Budnicka bezeichnete das Teilen ihrer Erinnerungen als eine Form des Gedenkens an ihre Angehörigen. Viele Opfer hätten kein Grab, sagte sie. Deshalb sei das Erzählen ihrer Geschichte für sie eine wichtige Aufgabe.

Im Rahmen der Aktion werden in Warschau und anderen Städten Papiernarzissen verteilt.

Zum Programm der diesjährigen Kampagne gehören unter anderem die erste öffentliche Präsentation des Gemäldes „Getto“ von Marek Oberländer sowie eine rekonstruierte Fassung des Films „Der Pianist“, basierend auf den Erinnerungen von Władysław Szpilman. Zudem ist ein Konzert mit dem Pianisten Aleksander Dębicz und dem Orchester Sinfonia Varsovia geplant. Höhepunkt soll die Uraufführung der Komposition „Yellow Daffodil“ sein.

Der Aufstand im Warschauer Ghetto gilt als größter bewaffneter jüdischer Widerstand im Zweiten Weltkrieg und als erster städtischer Aufstand im von Deutschland besetzten Europa. Die Narzisse ist zum Symbol des Gedenkens geworden, da der Aufstandsführer Marek Edelman jedes Jahr zum Jahrestag einen Strauß gelber Blumen erhielt.


PAP/IAR/jc