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Chronist der untergehenden Dorfwelt: Polen nimmt Abschied von Wiesław Myśliwski

17.04.2026 11:49
Literaturwissenschaftler sehen in seinem Werk eine große Erzählung über ein verschobenes polnisches Gemeinwesen und den Verlust einer untergehenden bäuerlichen Welt.
W specjalnym wydaniu Klubie Trójki wspominaliśmy Wiesława Myśliwskiego
W specjalnym wydaniu "Klubie Trójki" wspominaliśmy Wiesława MyśliwskiegoJacek Domiński/Reporter/East News

Polen nimmt am Freitag Abschied von dem Schriftsteller Wiesław Myśliwski. Der Autor, der am 29. März im Alter von 94 Jahren starb, wird auf dem Warschauer Powązki-Militärfriedhof beigesetzt.

Myśliwski, geboren am 25. März 1932 in Dwikozy bei Sandomierz, zählt zu den prägenden Stimmen der polnischen Nachkriegsliteratur. Im Zentrum seines Werks stehen Vergänglichkeit, Tod, Herkunft und die tiefen Umbrüche der ländlichen Gesellschaft. Zu seinen wichtigsten Büchern gehören „Nagi sad“, „Pałac“, „Kamień na kamieniu“, „Widnokrąg“, „Traktat o łuskaniu fasoli“, „Ostatnie rozdanie“ und „Ucho igielne“. Für „Widnokrąg“ und „Traktat o łuskaniu fasoli“ erhielt er 1998 und 2007 den Nike-Preis.

Ein oft zitierter Satz des Autors beschreibt auch seine biografische Erfahrung: Er habe in vier Epochen zugleich gelebt — in der Vorkriegszeit, unter deutscher Besatzung, in der Volksrepublik und nach der politischen Transformation. Literaturwissenschaftler sehen in seinem Werk eine große Erzählung über ein verschobenes polnisches Gemeinwesen und den Verlust einer untergehenden bäuerlichen Welt.

IAR/PAP/adn