Deutsche Redaktion

Tusk: Freilassung von Poczobut nach jahrelangen Verhandlungen gelungen

28.04.2026 18:12
Nach mehr als fünf Jahren Haft in Belarus ist der polnische Journalist und Aktivist Andrzej Poczobut im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigekommen. Polens Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete den Prozess als „lang und voller Wendungen“ und hob die entscheidende Rolle internationaler Zusammenarbeit hervor.
Andrzej Poczobut
Andrzej PoczobutReuters

Poczobut war am Dienstag aus einem belarussischen Gefängnis entlassen worden und nach Polen zurückgekehrt. Das Regime von Alexander Lukashenko hatte ihn zuvor zu acht Jahren Haft in einer Strafkolonie mit verschärften Bedingungen verurteilt. Die Vorwürfe lauteten unter anderem auf „Anstiftung zu Hass“ und „Handlungen gegen den Staat Belarus“.

Nach Angaben Tusks erfolgte die Freilassung im Zuge eines Gefangenenaustauschs im Verhältnis fünf zu fünf. Dabei habe Polen Staatsbürger aus Belarus, Russland und Kasachstan überstellt. „Diese Personen waren aus Sicht der beteiligten Staaten von besonderer Bedeutung“, sagte der Regierungschef. 

Tusk betonte insbesondere die Rolle des polnischen Auslands- und Inlandsgeheimdienstes sowie das Engagement von Innenminister Tomasz Siemoniak. Dieser habe über Monate hinweg intensive Bemühungen unternommen, um die Freilassung zu erreichen. Auch Partnerländer wie Rumänien und Moldau hätten durch ihre Entscheidungen zum Zustandekommen des Austauschs beigetragen.

Neben Poczobut seien im Rahmen der Vereinbarung auch der Geistliche Grzegorz Gaweł sowie ein belarussischer Staatsbürger, der mit polnischen Diensten kooperiert habe, nach Polen überstellt worden. Dessen Identität wurde aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben.


Źródło: KPRM Źródło: KPRM

Eine zentrale Rolle spielte nach Darstellung der Regierung zudem die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Tusk verwies auf die enge Zusammenarbeit mit amerikanischen Diensten sowie die Aktivitäten eines Sondergesandten für Belarus, der von US-Präsident Donald Trump eingesetzt worden sei. Auch Polens Präsident Karol Nawrocki habe sich in die Bemühungen eingeschaltet.

Mehrfach habe es in den vergangenen Monaten kurz vor einer Einigung Rückschläge gegeben, sagte Tusk. In einem Fall hätten die belarussischen Behörden ihre Zustimmung nur 24 Stunden vor einem geplanten Austausch zurückgezogen. „Es war schwierig, auf Verlässlichkeit der Gegenseite zu bauen“, so der Regierungschef.

Zum Gesundheitszustand Poczobuts erklärte Tusk, dieser sei körperlich durch die Haft stark geschwächt, befinde sich jedoch psychisch in „sehr guter Verfassung“. Polen werde ihn unabhängig von seinen weiteren Entscheidungen umfassend unterstützen.

Poczobut gilt als prominenter Vertreter der polnischen Minderheit in Belarus und wurde international als politischer Gefangener eingestuft. 


PAP/jc

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