Deutsche Redaktion

Trzaskowski warnt vor einer zu großen Abhängigkeit von den USA

04.05.2026 09:03
Angesichts wachsender globaler Spannungen hat Warschaus Stadtpräsident Rafał Trzaskowski die NATO-Staaten zu mehr Geschlossenheit in der Verteidigungspolitik aufgerufen. „Die Bedrohung ist für alle NATO-Länder gleich, deshalb müssen sie in Fragen der Sicherheit Solidarität zeigen“, sagte er in einem Interview mit der spanischen Zeitung El Mundo.
Rafał Trzaskowski
Rafał TrzaskowskiWojciech Olkusnik/East News

Zwar nehme Spanien die Gefahrenlage anders wahr als Staaten in Osteuropa, räumte Trzaskowski ein. Doch autoritäre Regime destabilisierten zunehmend die internationale Ordnung. Sollte Russlands Präsident Wladimir Putin ohne Konsequenzen bleiben, könne dies als Zeichen von Schwäche des Westens verstanden werden.

Zugleich warnte der Politiker vor einer zu großen Abhängigkeit von den USA. „Die Zeiten, in denen wir uns in Sicherheitsfragen allein auf die Amerikaner verlassen konnten, sind vorbei“, sagte Trzaskowski. Europa müsse stärker in die eigene Verteidigungsfähigkeit investieren und zugleich seine wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit ausbauen.

Mit Blick auf die Debatte über höhere Verteidigungsausgaben innerhalb der NATO betonte er, dass alle Mitgliedstaaten ihren Beitrag leisten müssten. Polen gehört bereits zu den Ländern mit den höchsten Verteidigungsausgaben im Bündnis und plant, 2026 rund 4,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts dafür aufzuwenden. Spanien hingegen erreichte die NATO-Zielmarke von zwei Prozent erst 2025 und lehnt bislang eine Anhebung auf fünf Prozent ab.

In Polen selbst gebe es in zentralen Sicherheitsfragen breite Einigkeit, sagte Trzaskowski. Kritik äußerte er jedoch am amtierenden Präsidenten Karol Nawrocki, dem er mangelnde Kooperationsbereitschaft selbst in Bereichen mit breitem politischen Konsens vorwarf.


PAP/jc