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Jan Józef Lipski – Intellektueller, Widerstandskämpfer und Mitbegründer des KOR

25.05.2026 09:45
Vor 100 Jahren wurde Jan Józef Lipski geboren – eine der prägenden Figuren der demokratischen Opposition in der Volksrepublik Polen. Der Literaturhistoriker, Publizist und spätere Senator galt über Jahrzehnte als moralische Autorität der polnischen Intelligenz und als Mitbegründer des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR).
Publicysta, krytyk i historyk literatury Jan Józef Lipski
Publicysta, krytyk i historyk literatury Jan Józef LipskiAdam Urbanek/PAP

Lipski wurde am 25. Mai 1926 in Warschau geboren. Während der deutschen Besatzung schloss er sich den Pfadfindereinheiten der „Szare Szeregi“ an und kämpfte im Warschauer Aufstand 1944 im Bataillon „Baszta“. Dabei wurde er schwer verletzt. Die Erfahrungen des Aufstands und insbesondere das Leid der Zivilbevölkerung prägten sein späteres politisches Denken nachhaltig.

Nach dem Krieg studierte Lipski Polonistik und engagierte sich zunehmend im intellektuellen Leben der Volksrepublik. Bereits in den 1950er-Jahren gehörte er zu den wichtigsten Kritikern des kommunistischen Systems. Als Vorsitzender des reformorientierten „Klub Krzywego Koła“ setzte er sich für politische Liberalisierung und größere gesellschaftliche Freiheiten ein. Wegen seiner Aktivitäten geriet er früh ins Visier der Sicherheitsbehörden.

In den folgenden Jahrzehnten beteiligte sich Lipski an zahlreichen Protestaktionen polnischer Intellektueller – darunter am berühmten „Brief der 34“ gegen die Verschärfung der Zensur. Er unterstützte oppositionelle Studenten, organisierte Hilfe für politisch Verfolgte und arbeitete eng mit späteren Oppositionsführern wie Jacek Kuroń, Adam Michnik und Jan Olszewski zusammen.

Besondere Bedeutung erlangte Lipski ab 1976 als Mitbegründer des Komitees zur Verteidigung der Arbeiter (KOR). Die Organisation unterstützte Arbeiter, die nach Protesten gegen das kommunistische Regime verfolgt wurden. Lipski verstand das KOR nicht nur als politische Initiative, sondern auch als Versuch, die Angst vor staatlicher Repression zu überwinden und eine neue Form gesellschaftlicher Solidarität zu schaffen.

Mit der Entstehung der Gewerkschaft Solidarność engagierte sich Lipski erneut aktiv in der Opposition. Nach der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember 1981 wurde er verhaftet. Trotz schwerer Herzprobleme setzte er seine politische Arbeit fort und kehrte selbst nach einem Aufenthalt in Großbritannien bewusst nach Polen zurück, obwohl ihm erneut die Inhaftierung drohte.

Nach dem Ende des Kommunismus wurde Lipski 1989 Senator im ersten teilweise frei gewählten Parlament Polens. In den letzten Jahren seines Lebens setzte er sich vor allem für die Wiederbelebung sozialdemokratischer Traditionen ein. Er starb am 10. September 1991 in Krakau im Alter von 65 Jahren.


PAP/jc