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Historiker: Exhumierungen in Wolhynien könnten noch Jahrhunderte dauern

22.07.2026 09:24
Die Exhumierung der polnischen Opfer des Wolhynien-Massakers wird unter den derzeitigen Bedingungen noch mehrere Jahrhunderte in Anspruch nehmen. Grund dafür seien langwierige Genehmigungsverfahren sowie begrenzte personelle und organisatorische Kapazitäten, meint der Historiker Leon Popek vom Institut für Nationales Gedenken.
Ekshumacje na Wołyniu
Ekshumacje na WołyniuPoszukiwania IPN/Twitter

„Unter den derzeitigen Bedingungen sind Exhumierungen allein in Wolhynien eine Angelegenheit der nächsten mehreren hundert Jahre“, sagte Popek der Nachrichtenagentur PAP. Selbst wenn alle erforderlichen Genehmigungen der ukrainischen Behörden vorlägen, könne Polen derzeit lediglich zwei bis drei Exhumierungen pro Jahr durchführen.

Der Historiker begleitet seit 1992 die Arbeiten in Ostrówki und Wola Ostrowiecka. Dort laufen derzeit erneut Exhumierungen. Bislang wurden die sterblichen Überreste von mindestens 38 Menschen gefunden. In früheren Grabungen konnten bereits 674 Opfer geborgen und bestattet werden.

Nach Angaben Popeks verzögern vor allem die komplizierten Verfahren die Arbeiten.

Besonders drängend sei der Faktor Zeit. „Die letzte Generation der Zeitzeugen verschwindet. Wenn uns niemand mehr sagen kann: ‚Es war irgendwo hier‘, dann werden viele Opfer vermutlich nie gefunden werden“, warnte Popek.

Der Historiker schlägt deshalb den Aufbau einer umfassenden Datenbank aller vermuteten Massengräber in Wolhynien und Ostgalizien vor. Diese solle GPS-Koordinaten, Fotos und Dokumentationen enthalten, damit die Fundorte zumindest gesichert werden könnten, auch wenn eine Exhumierung erst später möglich sei.

Mit Blick auf die Ankündigung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, weitere Archive zu den Ereignissen in Wolhynien zu öffnen, äußerte sich Popek vorsichtig optimistisch. Die Forscher hofften auf bislang unbekannte Quellen. Allerdings müssten die Dokumente zunächst erschlossen, digitalisiert und systematisch ausgewertet werden. „Das braucht Zeit. Wir werden sehen, was von dieser Ankündigung tatsächlich umgesetzt wird“, sagte der Historiker.


PAP/jc