Außenminister Abbas Araghtschi machte Präsident Wolodymyr Selenskyj persönlich verantwortlich. Er warf ihm vor, „auf Befehl Israels“ zu handeln, und erklärte: „Dieser Angriff kann nicht unbeantwortet bleiben.“ Nach Angaben des iranischen Außenministers habe er diese Position auch in Telefonaten mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow bekräftigt.
Präsident Selenskyj bestätigte später, dass ukrainische Streitkräfte Ziele im Kaspischen Meer angegriffen hätten. Nach seinen Angaben wurden dabei „Schiffe, die militärische Ausrüstung aus dem Iran transportierten, sowie ein Kriegsschiff“ getroffen.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha wies die iranischen Vorwürfe entschieden zurück. Auf der Plattform X schrieb er: „Die Drohungen des Iran sind unbegründet und haltlos.“ Zugleich bezeichnete er Teheran als „direkten Komplizen der russischen Aggression gegen die Ukraine“, da der Iran Russland mit Waffen beliefere, die seit Beginn des Krieges gegen ukrainische Städte eingesetzt würden.
Der außenpolitische Kolumnist der Financial Times, Gideon Rachman, sieht in den Ereignissen eine mögliche neue Dimension des Krieges. Er erinnert daran, dass Präsident Selenskyj die Entsendung nordkoreanischer Soldaten an die Front im vergangenen Jahr als „ersten Schritt in Richtung eines Weltkriegs“ bezeichnet hatte. Mit Blick auf den Angriff im Kaspischen Meer schreibt Rachman nun: „Jetzt, da die Ukrainer in einen direkten Konflikt mit dem Iran eintreten, kann man sagen, dass der zweite Schritt getan wurde.“
Nach Einschätzung des britischen Journalisten könnte der Angriff zudem Teil einer umfassenderen geopolitischen Strategie sein. Die Ukraine wolle möglicherweise dazu beitragen, einen geschlosseneren Block gegen Russland, den Iran, China und Nordkorea zu formen. Rachman verweist auf die in den USA verbreitete Bezeichnung dieser Staaten als „Achse der Gegner“ und schreibt, alle vier Länder hätten das gemeinsame Ziel, „den Niedergang der amerikanischen Macht zu beschleunigen und ihre jeweiligen Regionen zu dominieren.“
FT/jc