Polens Außenminister Radosław Sikorski setzt auf öffentliche Warnungen, um mögliche russische Provokationen gegen sein Land oder die NATO zu verhindern. In einem Interview mit dem US-Sender CNN sagte der Vize-Regierungschef vor dem NATO-Gipfel in Ankara, Russland habe derzeit nicht die Kräfte für einen offenen Angriff auf die Allianz. Denkbar seien jedoch Aktionen unter falscher Flagge, etwa mit Drohnen.
Sikorski beschrieb ein Szenario, in dem Russland eine Provokation inszeniert und anschließend behauptet, auf einen angeblichen Angriff reagieren zu müssen. Dabei könnten auch Drohnen eingesetzt werden, die als ukrainisch dargestellt würden. Russland greife zu solchen Methoden, sagte Sikorski. Deshalb müsse man vorbereitet sein und Moskau deutlich machen, dass solche Pläne erkannt würden.
Der Minister verwies auf die Zeit vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022. Damals hatten US-Geheimdienste öffentlich vor möglichen russischen Inszenierungen gewarnt, die als Vorwand für eine Invasion dienen könnten. Nach Sikorskis Einschätzung trug dies dazu bei, dass Moskau auf eine solche Inszenierung verzichtete. Er hoffe nun, dass auch die aktuellen Warnungen Präsident Wladimir Putin davon abhielten, eine Provokation auszulösen.
Warschau will mehr amerikanische Präsenz
Zugleich bekräftigte Sikorski das Vertrauen Polens in die USA als Sicherheitsgaranten. Warschau wolle mehr amerikanische Präsenz auf polnischem Boden, darunter eine zweite ständige US-Basis. Eine feste US-Einrichtung gebe es bereits mit der Raketenabwehrbasis in Redzikowo, die nach seinen Worten vor allem die USA, aber auch Europa schützt.
Sikorski räumte ein, dass weitere Reduzierungen amerikanischer Truppen in Europa absehbar seien. Washington erwarte von den europäischen Verbündeten mehr konventionelle Fähigkeiten. Dennoch werde Europa weiter von amerikanischer Unterstützung profitieren, etwa bei Logistik und Aufklärung.
Kritik von US-Präsident Donald Trump an Verbündeten wegen zu niedriger Verteidigungsausgaben wertete Sikorski nicht als Gefahr für den Zusammenhalt der NATO. Man könne über Ausgaben streiten und dennoch gute Verbündete bleiben, sagte er. Die Allianz sei seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stärker geworden – durch den Beitritt Finnlands und Schwedens sowie durch deutlich höhere europäische Verteidigungsausgaben.
PAP/adn