In einer Botschaft an die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung rief Polens Präsident Karol Nawrocki dazu auf, die Erinnerung an den Genozid als Warnung für die Zukunft zu bewahren. „Ich neige mein Haupt vor den Sinti und Roma, die an diesem grausamen Ort gelitten haben und ums Leben kamen“, erklärte der Präsident. „Die Erinnerung an den Porajmos soll eine Mahnung für kommende Generationen bleiben.“
Nawrocki verurteilte zugleich jede Form von Nationalsozialismus, Chauvinismus und ethnischem Hass. „Weder heute noch in Zukunft darf es in einer zivilisierten Gesellschaft Platz für Parolen, Organisationen oder öffentliche Äußerungen geben, die Hass aufgrund der ethnischen Herkunft oder der Rasse verbreiten“, schrieb er.
Der deutsche Sinto Dieter Flack, dessen Familie fast vollständig in Auschwitz ermordet wurde, warnte vor einem Wiedererstarken von Rechtsextremismus und Antiziganismus. „Schon heute nehmen Hass und Hetze gegen unsere Minderheit in Deutschland ständig zu“, sagte Flack. „Das macht mir Angst – nicht um mein eigenes Leben, sondern um das meiner Kinder und Enkel und um die Zukunft der Demokratie in Deutschland und Europa.“
Flack forderte, die Geschichte der Sinti und Roma fest in den Lehrplänen europäischer Schulen zu verankern. Unterstützung erhielt er vom Vorsitzenden des Verbands der Roma in Polen, Roman Kwiatkowski, sowie vom Vorsitzenden des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Beide übergaben der Präsidentin der Parlamentarischen Versammlung des Europarates, Petra Bayr, einen gemeinsamen Appell für eine stärkere historische und kulturelle Bildung über Sinti und Roma.
Romani Rose kritisierte, dass die größte Minderheit Europas in den Schulbüchern kaum vorkomme. „Es ist ein Skandal, dass die zehn bis zwölf Millionen Sinti und Roma in Europa praktisch nicht in den Lehrbüchern der einzelnen Länder erscheinen“, sagte er.
Roman Kwiatkowski erinnerte daran, dass Roma in vielen europäischen Ländern bis heute Benachteiligungen erfahren. „Wir verlangen keine Sonderbehandlung und keine neuen Rechte“, sagte er. „Wir fordern lediglich, dass die bestehenden Rechte vollständig respektiert werden.“
Nach Angaben der Gedenkstätte Auschwitz wurden zwischen Februar 1943 und Juli 1944 fast 21.000 Sinti und Roma nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Insgesamt fielen während der NS-Herrschaft rund 500.000 Sinti und Roma dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer.
IAR/jc