Für die Fachjury verbinde Sasnal in seiner Malerei persönliche Momente seiner Lebenswelt mit Bildern kollektiver Erfahrung und Erinnerung zu einem ausdrucksstarken Kaleidoskop der Gegenwart. Bei ihm verschränkten sich private, politische und geschichtliche Beobachtungen. In seinen Gemälden greife er zudem auf ausgewählte Motive der Kunstgeschichte, auf Medienbilder oder auf eigene Fotografien zurück. So werde der flüchtige Blick auf die eigene Alltagsumgebung ebenso zum Motiv wie seine Exkursionen in ehemalige deutsche Konzentrationslager in Polen, in deren Nähe er seit seiner Kindheit lebt.
Wilhelm Sasnal „Schweinestall”, 2011, Öl auf Leinwand, fot. © Arkadiusz Łuba
In der Begründung heißt es außerdem: „Zuletzt malte er nach aktuellen Bildvorlagen aus dem zerstörten Gazastreifen oder von Atomanlagen im Iran. Sowohl die analoge als auch die digitale Realität spiegelt Sasnal in souveräner künstlerischer Autonomie. Formal bereichert er die zeitgenössische Malerei um eine leger vorgetragene, gleichwohl komplexe und dichte Bildsprache, deren Syntax sich aus figurativen und abstrakten Elementen zusammensetzt.“
Der Rubenspreis wird seit 1957 alle fünf Jahre vergeben. Damit kommt Sasnal in eine Reihe bedeutender Künstler wie Francis Bacon, Antoni Tàpies, Lucian Freud und Miriam Cahn. Die Preisverleihung findet im November 2027 in Siegen statt, der Geburtsstadt von Peter Paul Rubens.
INFO A. Łuba