Polen treibt den Wiederaufbau seiner U-Boot-Fähigkeiten in der Ostsee voran. In der schwedischen Marinebasis Karlskrona haben polnische Marinesoldaten mit der Ausbildung für ein U-Boot des Typs A17 begonnen, das Warschau als Übergangslösung nutzen will. Das teilten die polnische und die schwedische Seite mit.''
Polens Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz schrieb auf X, die Soldaten würden die Besatzung der künftigen A17-Einheit bilden. Das Boot werde als sogenannter „Gap Filler“ dienen, „auf dem die Seeleute der 3. Schiffsflottille die Funktionsweise des U-Boots kennenlernen werden“. Derzeit laufe die erste Ausbildungsphase, unter anderem mit Gefechtsfeldmedizin und Schiffsschadensabwehr. Für einen Teil der Besatzung sei zudem ein Rettungs- und Ausstiegstraining geplant. „Die zweite Phase umfasst Simulatoren sowie Ausbildungen direkt an Bord der Einheit des Typs A17“, erklärte der Minister.
Der genaue Zeitplan wird von beiden Seiten unterschiedlich akzentuiert. Die schwedische Marine sprach davon, dass die polnischen Soldaten in Karlskrona bis Anfang 2028 lernen würden, ein U-Boot zu operieren. Polnische Stellen hatten Ende Juni erklärt, die von Schweden im Laufe ihrer Dienstzeit modernisierte A17-Einheit solle nach Abschluss der Ausbildung durch die polnische Besatzung bereits 2027 übergeben werden. Vorsichtig formuliert soll Polen das Boot nach Abschluss der Ausbildung, voraussichtlich 2027, übernehmen und unter polnischer Flagge einsetzen.
Für die polnische Marine ist die Übergangslösung zentral. Sie verfügt derzeit nur über ein einziges U-Boot: die ORP „Orzeł“, die 1985 in der Sowjetunion gebaut wurde. Das veraltete Boot muss seit Jahren regelmäßig repariert werden. Ohne Ersatz könnte Polen bei einem Ausfall der „Orzeł“ U-Boot-Besatzungen kaum noch auf eigener Plattform ausbilden oder vorhandene Fähigkeiten erhalten.
Ende Juni hatte die polnische Rüstungsagentur mit dem schwedischen Konzern Saab einen Vertrag über den Kauf von drei U-Booten des Typs A26 der Blekinge-Klasse geschlossen. Das erste Boot soll 2031 oder 2032 geliefert werden, zwei weitere bis 2038. Bis dahin soll die A17 die Lücke schließen. Die neuen A26-Boote sollen diesel-elektrisch angetrieben werden und über ein außenluftunabhängiges Antriebssystem verfügen, das mehrtägiges Tauchen ohne Auftauchen zum Laden der Batterien ermöglicht.
Auch Schweden betont die Bedeutung der Kooperation. Die schwedische Marine verwies darauf, dass die Ausbildung nur 49 Tage nach Vertragsunterzeichnung begonnen habe. In Karlskrona seien umfangreiche Vorbereitungen getroffen worden. Nach schwedischer Darstellung stärkt die Partnerschaft mit Polen auch die Sicherheit Schwedens und der Nato. In der Region hat das Projekt zudem wirtschaftliche Bedeutung: Der Bau der U-Boote für Polen soll neue Arbeitsplätze am Marinestandort Karlskrona schaffen.
PAP/adn