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Abgeordneter lehnt Teilnahme an ukrainischen Unabhängigkeitsfeiern ab

26.08.2026 11:24
Der parteilose Abgeordnete Marcin Józefaciuk hat die Einladung zu den Feierlichkeiten zum ukrainischen Unabhängigkeitstag in Warschau abgelehnt. „Meine erste Pflicht gilt Polen“, begründete Józefaciuk seine Entscheidung.
Józefaciuk: Meine erste Pflicht gilt Polen
Józefaciuk: „Meine erste Pflicht gilt Polen“Jacek Slomion/REPORTER/EAST NEWS

Am 24. August hatten auf dem Schlossplatz in Warschau mehrere Tausend Menschen den 35. Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeitserklärung gefeiert. Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Unabhängigkeit. Unsere gemeinsame“. Józefaciuk war eingeladen, nahm jedoch nicht teil.

„Ich stelle das Recht der Ukrainer, ihren eigenen Feiertag zu begehen, nicht infrage“, schrieb der Abgeordnete auf der Plattform X. Als polnischer Parlamentarier sehe er jedoch seine Rolle nicht darin, „öffentlich die Unabhängigkeit eines anderen Staates zu feiern, und das ausgerechnet im Herzen der polnischen Hauptstadt“.

Józefaciuk betonte zugleich, seine Entscheidung richte sich nicht gegen die Ukraine oder deren Bevölkerung. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges habe er ukrainischen Flüchtlingen geholfen und Hunderte junge Menschen aus der Ukraine an der von ihm geleiteten Schule aufgenommen. „Als Pole habe ich Pflichten gegenüber Polen“, erklärte er.

An einer Konferenz oder einer sachlichen Diskussion über Sicherheit und Integration würde er dagegen nach eigenen Angaben gerne teilnehmen.

Die Feierlichkeiten auf dem Warschauer Schlossplatz wurden von der Initiative Euromaidan Warszawa und der Stiftung Stand With Ukraine organisiert. Sie standen unter der Schirmherrschaft des Warschauer Stadtpräsidenten Rafał Trzaskowski, des Kulturministeriums und der ukrainischen Botschaft.

Der Schauspieler und Intendant des Teatr Polski, Andrzej Seweryn, hatte öffentlich zur Teilnahme aufgerufen. „Treffen wir uns an diesem Tag auf dem Schlossplatz, um unsere Solidarität mit der kämpfenden Ukraine zum Ausdruck zu bringen“, sagte Seweryn in einem Video. Polen müsse weiterhin „dieses Gesicht“ zeigen, das die Welt zu Beginn des Krieges beeindruckt habe.

Auch Außenminister Radosław Sikorski nahm nicht an der Veranstaltung teil.

Die Feierlichkeiten lösten zugleich eine Debatte über den Umgang mit ukrainischen und polnischen Nationalfeiertagen aus. Kritiker von Trzaskowski verwiesen darauf, dass er die ukrainischen Feierlichkeiten unterstütze, während das Warschauer Rathaus in der Vergangenheit dem polnischen Unabhängigkeitsmarsch am 11. November kritisch gegenüberstand.

Trzaskowski hatte 2024 die Genehmigung für den Marsch zunächst verweigert und dies unter anderem mit Sicherheitsfragen begründet. Auf Kritik aus dem rechten politischen Lager reagierte er damals mit den Worten: „Die Rechte hat sich offenbar zu viel Aufputschmittel gegönnt und greift sofort an.“ In Warschau sei es „ganz normal“, Veranstaltungen unter die Schirmherrschaft der Stadt zu stellen, die für Menschen wichtige Ereignisse darstellten.


niezalezna/jc