In Polen wird heute an die Unterzeichnung des sogenannten August-Abkommens vor 46 Jahren erinnert. Das Abkommen zwischen den kommunistischen Machthabern und den streikenden Arbeitern der Danziger Werft gilt als Wendepunkt in der Geschichte der Volksrepublik Polen. Es beendete die Streiks an der polnischen Ostseeküste und ebnete den Weg für die unabhängige Gewerkschaft Solidarność.
Unterzeichnet wurde das Abkommen in Danzig vom Vorsitzenden des Interbetrieblichen Streikkomitees, Lech Wałęsa, und dem damaligen Vizepremier Mieczysław Jagielski.
Der Historiker Tomasz Kozłowski vom Institut für Nationales Gedenken betont, entscheidend sei vor allem gewesen, dass die kommunistischen Behörden erstmals der Gründung einer unabhängigen Organisation zustimmten.
„Die Abkommen waren entscheidend, da sie das Recht auf die Gründung unabhängiger Gewerkschaften gewährten. Diese Gewerkschaft war eine Garantie dafür, dass die Vereinbarungen umgesetzt werden, weil eine später millionenstarke Gewerkschaft die reale Möglichkeit bot, Druck auf die Regierung auszuüben, ihre Verpflichtungen zu erfüllen“, sagt Kozłowski.
Die kommunistische Führung habe sich angesichts der landesweiten Proteste für einen Kompromiss entschieden. Ein gewaltsames Vorgehen hätte das Land lahmlegen können. „Nur unter dem Druck dieses Massenprotests stimmten die Behörden der Unterzeichnung der Abkommen zu“, so der Historiker.
Die Vereinbarungen von Danzig und Stettin waren laut Kozłowski auch für den gesamten kommunistischen Ostblock ein Schock. Der Kreml habe befürchtet, dass das polnische Beispiel Schule machen könnte. Weitere gesellschaftliche Gruppen begannen, sich zu organisieren. Mitte 1981 erkämpften sich auch die polnischen Bauern das Recht, eine eigene Gewerkschaft zu gründen.
Der Streik in der Danziger Werft hatte am 14. August begonnen. Neben wirtschaftlichen Forderungen stellten die Arbeiter auch politische Forderungen. Insgesamt legten sie 21 Forderungen vor.
Die Behörden stimmten unter anderem der Gründung unabhängiger und selbstverwalteter Gewerkschaften, dem Streikrecht, dem Bau eines Denkmals für die Opfer der Proteste vom Dezember 1970, der Übertragung von Sonntagsgottesdiensten im polnischen Rundfunk und einer Einschränkung der Zensur zu.
Das August-Abkommen von 1980 gilt als entscheidender Schritt auf dem Weg zur Entstehung der Solidarność und zu den politischen Veränderungen, die schließlich zum Ende der kommunistischen Herrschaft in Polen führten.
IAR/jc