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Tusk erinnert zum Jahrestag der August-Vereinbarungen an Lehren der Solidarność

31.08.2026 13:38
Ministerpräsident Donald Tusk hat zum 46. Jahrestag der Unterzeichnung der August-Vereinbarungen an die Bedeutung des historischen Streiks in der Danziger Werft erinnert. Die wichtigste Lehre aus den Ereignissen von 1980 sei, die Wahrheit beim Namen zu nennen und zwischen Gut und Böse unterscheiden zu können, sagte Tusk in einer am Montag veröffentlichten Videobotschaft.
Premierminister Donald Tusk
Premierminister Donald TuskPAP/Tomasz Waszczuk

„Wenn die Macht stiehlt, muss man ihr sagen: Genug“, sagte der Regierungschef. Die Arbeiter in der Danziger Werft hätten damals gezeigt, dass man sich gegen die Machthaber stellen und für seine Überzeugungen eintreten könne. Tusk betonte, die Menschen hätten während des Streiks sehr klar zwischen Wahrheit und Lüge sowie zwischen Gut und Böse unterscheiden können.

Der Ministerpräsident erinnerte in seiner Botschaft auch an die blutig niedergeschlagenen Arbeiterproteste in Danzig im Dezember 1970. Dort, wo heute das Denkmal für die gefallenen Werftarbeiter steht, seien damals Menschen getötet worden. Er selbst habe als Schüler die Schüsse gehört, berichtete Tusk. 1979 habe er dann gemeinsam mit dem späteren Solidarność-Führer Lech Wałęsa und dem Oppositionellen Bogdan Borusewicz an einer illegalen Demonstration teilgenommen.

Ein Jahr später wurde die Danziger Werft zum Zentrum einer landesweiten Streikbewegung. Am 31. August 1980 unterzeichneten Vertreter der kommunistischen Regierung und des Interbetrieblichen Streikkomitees in der Werft die sogenannten August-Vereinbarungen. Das Streikkomitee vertrat dabei Beschäftigte aus mehr als 700 Betrieben in ganz Polen.

Die Regierung verpflichtete sich unter anderem, die Gründung unabhängiger und selbstverwalteter Gewerkschaften zuzulassen. Außerdem wurde das Recht auf Streik vereinbart. Weitere Punkte betrafen den Bau eines Denkmals für die Opfer der Arbeiterproteste von 1970, die Übertragung von Sonntagsmessen im polnischen Rundfunk und eine Einschränkung der staatlichen Zensur.

Die Vereinbarungen markierten einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte des kommunistischen Polen. In der Folge entstand die Gewerkschaft NSZZ „Solidarność“ – die erste unabhängige und legale Gewerkschaft in einem kommunistischen Staat, die nicht der Kontrolle der Machthaber unterstand.

Unterzeichnet wurden die Vereinbarungen vom Vorsitzenden des Streikkomitees, Lech Wałęsa, und dem damaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten Mieczysław Jagielski. Die Unterzeichnung wurde im polnischen Fernsehen übertragen.

Tusk erinnerte in seiner Videobotschaft auch an seine eigene Tätigkeit in der oppositionellen Bewegung. In den 1980er Jahren arbeitete er unter anderem bei der Danziger Genossenschaft „Świetlik“, einem Umfeld, das für die politische Sozialisation junger Oppositioneller in der Region eine wichtige Rolle spielte.

Dort habe er gelernt, sich auf andere Menschen zu verlassen und auch in schwierigen Situationen nicht den Mut zu verlieren, sagte Tusk. Er verglich dies mit dem Festhalten an einem Seil bei gefährlichen Arbeiten in großer Höhe. Aus der Zeit in der Danziger Werft und der oppositionellen Bewegung habe er die Überzeugung mitgenommen, dass Menschen mit gutem Willen, offenen Augen und einem offenen Herzen zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden könnten.

Zum 46. Jahrestag der August-Vereinbarungen sind in Danzig mehrere Gedenkveranstaltungen geplant.



IAR/jc

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