„Le Figaro“ verweist auf die bisherigen Reaktionen, die sich vor allem auf diplomatische Maßnahmen wie die Schließung eines Konsulats und die Androhung weiterer Sanktionen beschränkt hätten. Auch nach den öffentlichen Äußerungen der EU und der NATO gebe es bislang keine konkreten Maßnahmen, schreibt die Zeitung.
Das Blatt zitiert Diplomaten aus den baltischen Staaten mit der Einschätzung, dass die Gefahr eines konventionellen Angriffs durch Russland derzeit unverändert sei. Gleichzeitig habe das Risiko von Sabotage und staatlich unterstützten terroristischen Aktivitäten deutlich zugenommen.
Auch die NATO gehe bei Vorfällen unterhalb der Schwelle eines konventionellen Angriffs vorsichtig vor, schreibt „Le Figaro“. Als einen Grund nennt die Zeitung die bestehenden Spannungen zwischen den USA und ihren europäischen Verbündeten. Es gebe derzeit keine Anzeichen dafür, dass Washington eine deutlich weitergehende Reaktion unterstützen würde.
Die Expertin Maria Martisiute vom European Policy Centre in Brüssel kritisiert diese Haltung. Die NATO habe eine „Abneigung gegen Risiken“, zitiert sie die Zeitung. Eine Politik, die aus Sorge vor einer Eskalation auf eine Reaktion verzichte, könne nach ihrer Einschätzung langfristig zu weiteren Opfern in Europa führen.
„Le Figaro“ verweist außerdem auf eine Analyse von Carnegie Europe. Demnach sollten Europa und die NATO russische Angriffe und andere Vorfälle als Teil einer längerfristigen Kampagne betrachten und entsprechende Maßnahmen entwickeln. Zudem müsse sich die NATO auf mögliche Szenarien einer direkten russischen Aggression gegen einen Mitgliedstaat vorbereiten.
Hintergrund ist ein Vorfall am Flughafen Leipzig Anfang August. In der Nacht vom 4. auf den 5. August kollidierte dort ein Transportflugzeug mit einem unbekannten Gegenstand. Die Maschine wurde nach Hannover umgeleitet und wies dort leichte Schäden auf. Zuvor war der Flugbetrieb in Leipzig zeitweise unterbrochen worden, nachdem auf dem Flughafengelände bei einem ukrainischen Transportflugzeug vom Typ Antonow eine Drohne mit Zünder und Sprengstoff gefunden worden war.
Das deutsche Innenministerium erklärte am Dienstag, die bisherigen Ermittlungsergebnisse wiesen auf Russland als Verantwortlichen für den Vorfall hin. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, der Drohnenvorfall trage die „Merkmale eines staatlich unterstützten Terrorakts“.
Le Figaro/jc