In der Ukraine gibt es derzeit keine gesetzliche Grundlage für eine verpflichtende Mobilisierung von Frauen. Ihr Militärdienst ist freiwillig und erfolgt auf Vertragsbasis. Frauen zwischen 18 und 60 Jahren mit medizinischer oder pharmazeutischer Ausbildung müssen sich seit Oktober 2023 zwar militärisch registrieren lassen. Die Registrierung bedeutet jedoch nicht, dass sie zum Wehrdienst eingezogen werden. Die allgemeine Wehrpflicht gilt für Männer zwischen 25 und 60 Jahren.
Nach Angaben des CPD tauchten erste groß angelegte Falschmeldungen über eine angeblich umfassende Mobilisierung von Frauen bereits im Juni 2022 auf. Damals wurde behauptet, die Einberufung sei eine Reaktion auf hohe Verluste an der Front. In jüngeren Kampagnen sei unter anderem fälschlich verbreitet worden, die EU übe Druck auf Kiew aus, Frauen zur Auffüllung der Personalbestände der Armee einzuziehen.
KI-generierte Inhalte und gefälschte Videos
Bei der Verbreitung der Falschmeldungen spielt nach Einschätzung der ukrainischen Faktencheckerin Aliona Romaniuk künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle. Als Beispiel nannte sie ein Deepfake-Video der ehemaligen ukrainischen Vizepremierministerin Olha Stefanischyna. Darin seien ihre Stimme und ihr Bild manipuliert worden, um ihr die falsche Forderung zuzuschreiben, Frauen zwischen 18 und 27 Jahren die Ausreise aus der Ukraine zu verbieten.
Auch ein angebliches Rekrutierungsplakat der ukrainischen Streitkräfte, das im August über anonyme Telegram-Kanäle verbreitet wurde, war nach Angaben des CPD mit künstlicher Intelligenz erstellt worden. Im September kursierten zudem Bilder vermeintlicher Werbetafeln aus Luzk, auf denen Hausfrauen zum Militärdienst als Drohnenpilotinnen aufgefordert worden sein sollen.
Romaniuk zufolge werden solche Inhalte zunächst auf Plattformen wie TikTok veröffentlicht, anschließend auf Facebook weiterverbreitet und schließlich von Telegram-Kanälen als vermeintliche Nachrichten aufgegriffen. Dadurch entstehe der falsche Eindruck, dass ein Thema die gesamte Öffentlichkeit beschäftige.
Die Kampagnen zielten nicht nur darauf ab, Angst zu verbreiten, sondern auch das Vertrauen in den Staat zu schwächen, die Auswanderung von Frauen mit Kindern zu fördern und gesellschaftliche Spannungen zu verschärfen, sagte Romaniuk.
Mehr als 76.000 Frauen dienen in der ukrainischen Armee
Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs dienten Ende September 2026 mehr als 76.000 Frauen in den Streitkräften. Rund 57.000 von ihnen gehörten militärischen Formationen an. Mehr als 20.000 Frauen waren unmittelbar in Kampfpositionen eingesetzt, die übrigen arbeiteten in zivilen Funktionen.
Vor dem Beginn der russischen Großinvasion im Februar 2022 hatten etwa 32.000 Frauen militärische Positionen inne.
Eine landesweite Umfrage des Instituts Info Sapiens vom August 2025 zeigte zudem, dass sich 75,7 Prozent der Befragten gegen eine verpflichtende Mobilisierung von Frauen aussprachen. 21,5 Prozent unterstützten sie. Die Umfrageergebnisse beziehen sich auf 2025 und geben nicht zwingend die aktuelle Stimmung wieder.
PAP/jc