Außenminister Radosław Sikorski hat die Einladung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zum G20-Gipfel im Dezember kritisiert. Sie sei ein schlechter Einfall, weil sie Putin aus der Isolation hole. Polen werde die G20-Treffen trotz der Teilnahme russischer Vertreter aber nicht boykottieren.
Sikorski vertritt Polen beim zweitägigen Treffen der G20-Außenminister in Atlanta. Gastgeber ist US-Außenminister Marco Rubio. Die Delegationen beraten über Wirtschaftswachstum, Energie- und Ernährungssicherheit, Lieferketten, neue Technologien und die Freiheit der Schifffahrt. Der Krieg gegen die Ukraine steht nicht als eigener Punkt auf dem Programm.
Russland wird in Atlanta durch Außenminister Sergej Lawrow vertreten. Die US-Regierung hatte Russland für alle G20-Treffen während der amerikanischen Präsidentschaft eingeladen. Vertreter der Ukraine erhielten keine Einladung. Frankreich will den russischen Angriffskrieg dennoch zur Sprache bringen und erklärte, Lawrows Anwesenheit normalisiere die russische Aggression nicht.
Offen ist, ob europäische Außenminister am vorgesehenen Gruppenfoto gemeinsam mit Lawrow teilnehmen werden. Beim vorherigen G20-Treffen der Finanzminister in den USA war der russische Minister nach Protesten westlicher Staaten nicht auf dem Bild. Ein gemeinsamer europäischer Boykott des Fotos ist in Atlanta nach Informationen des Polnischen Rundfunks bislang nicht vereinbart.
Sikorski will neben drei Plenarsitzungen rund 15 bilaterale Gespräche führen, darunter mit Vertretern Indiens, Brasiliens, Mexikos, Saudi-Arabiens und Südkoreas. Das Treffen bereitet den G20-Gipfel am 14. und 15. Dezember in Florida vor, bei dem Präsident Karol Nawrocki Polen vertreten soll. Auch Putin ist eingeladen, doch Moskau erklärte, über seine persönliche Teilnahme sei noch nicht entschieden.
Polen nimmt in diesem Jahr auf besondere Einladung der USA als vollwertiges Mitglied an den G20-Arbeiten teil. Warschau strebt eine Beteiligung auch unter künftigen G20-Präsidentschaften an.
IAR/PAP/adn