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Deutsche Redaktion

Ein Leben für die Nächstenliebe und Literatur - Zofia Kossak

07.09.2021 13:00
Zofia Kossak war eine begnadete Romanautorin und Publizistin, deren Bücher auch in Deutschland zu Achtungserfolgen wurden. Weitaus mehr Beachtung brachte ihr aber die Funktion als Initiatorin der ʺŻegotaʺein, einer Organisation, die im Zweiten Weltkrieg über 75.000 Juden vor der Vernichtung bewahrte.
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  • Ein Leben für die Nächstenliebe und Literatur - Zofia Kossak
Ein Leben fr die Nchstenliebe und Literatur - Zofia Kossak
Ein Leben für die Nächstenliebe und Literatur - Zofia Kossak culture.pl

In allen drei ehemaligen polnischen Teilungsgebieten gab es Orte, die im 19. Jahrhundert durch ihre klimatischen und für den Tourismus günstigen Bedingungen berühmt wurden. In Preußen gerieten die Ostseemetropolen in den Fokus der Erholungssuchenden. Im von Österreich annektierten Süden zog die Tatra mit ihrer würzigen Gebirgsluft viele polnische Schriftsteller und Künstler an. Die meisten von ihnen kamen aus therapeutischen Gründen angereist, doch mit der Zeit wurde aus dem galizischen Bergort Zakopane eine spezifische kulturelle Enklave. Bekannte Autoren erkannten den ästhetischen Reiz dieses Landstrichs und die bislang verborgene Kultur der alteingesessenen Gebirgsbewohner, die im Grunde genommen schon immer ein Teil der polnischen war. Die effektvollen Texte von Stanisław Ignacy Witkiewicz, Jan Kasprowicz oder Tadeusz Miciński fanden überregionale Beachtung und wurden später in der Zweiten Republik zur touristischen Pflichtlektüre.

Unentdeckt blieb in der polnischen Literatur zunächst interessanterweise eine andere Region, die nicht weniger reizvoll war und zudem ebenfalls immer wieder zum historischen Zankapfel wurde – das Teschener Schlesien. Selbstredend gab es zu dieser Zeit bereits Enthusiasten, die in ihren Büchern die Landschaft des polnisch-tschechischen Grenzgebiets besangen. Übten einige dieser Werke auch eine magnetische Wirkung auf das Publikum aus, so gingen sie doch selten über flüchtige Informationen hinaus. Und es ist schon ein wenig erstaunlich, dass die ersten diesbezüglichen Ansätze der Feder einer Autorin entsprangen, deren Familie sich eigentlich zeitlebens eher für Zakopane und die Tatra engagierte: Zofia Kossak. ʺSie war die Tochter von Tadeusz, dem Zwillingsbruder des bekannten Malers Wojciech Kossak. Vater und Onkel sahen sich zum Verwechseln ähnlich, färbten sich sogar mit dem gleichen Produkt die Haareʺ - erzählt die Journalistin Joanna Jurgała-Jureczka.

Anders als die übrigen Familienmitglieder verbrachte Zofia Kossak ihre Kindheit im russisch beherrschten Kongresspolen, arbeitete vor dem Ersten Weltkrieg als Lehrerin in Warschau. Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns Stefan Szczucki zog sie in den Süden, wo sie mit der Kultur der Teschener Walachen in Berührung kam und diese auch künstlerisch zu verwerten wusste. Nach eigenem Bekunden verbrachte Zofia Kossak in dem Ort Górki Wielkie ihre glücklichsten Jahre. Ihr literarisches Debüt im unabhängigen Polen feierte sie allerdings schon früher, wobei ihr Herz da noch für die polnischen Dörfer Wolhyniens schlug. In dem 1922 veröffentlichten Roman ʺPożogaʺ gewährt sie völlig neue Einsichten in die politische Problematik dieser Region - zwei Jahrzehnte vor den unfassbaren Verbrechen der Ukrainischen Aufständischen Armee.

Schwierige Erfahrungen mit Politik durchziehen fortan ihr gesamtes Werk. Vor allem aber versucht Kossak-Szczucka als gläubige Katholikin den Inhalt ihrer Texte mit christlicher Werteordnung zu verknüpfen. Ihr historisches Epos ʺKrzyżowcyʺ wurde auch in Deutschland ein großer Publikumserfolg. Der Roman ʺBez orężaʺ sollte gar in den USA verfilmt werden. ʺZofia Kossak war eine sehr gute Autorin, insbesondere jedoch eine aufrechte Gläubige, deren Selbstlosigkeit und Mut heute keinen Raum für Fehlinterpretationen zulassenʺ - meint der Historiker Jan Żaryn.

Patriotismus und christliche Nächstenliebe waren für Zofia Kossak keineswegs nur praxisferne Theorie. Während des Zweiten Weltkriegs war sie nicht nur aktive Widerstandskämpferin im Warschauer Aufstand, sondern versorgte im Lazarett verwundete Soldaten. Darüber hinaus war sie Mitbegründerin der katholischen Untergrundorganisation Front Odrodzenia Polski. Kossak gehörte neben Jan Karski zu jenen ersten Personen, die in den USA die jüdische Community vergeblich über den Holocaust zu informieren suchten. Später rief sie die Organisation Żegota ins Leben, die von der Londoner Exilregierung unterstützt wurde und über 75.000 Juden das Leben rettete. Einer ihrer Mitarbeiter war der spätere polnische Außenminister Władysław Bartoszewski. ʺZosia hatte vor den deutschen Henkern keine Angst gehabt. Sie konnte jederzeit hingerichtet werden und dennoch holte sie jüdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto und verschaffte auch deren Eltern die notwendigen Papiere. Es ist kaum vorstellbar, dass jemand wie sie später von den eigenen Landsleuten verurteilt werden konnteʺ.

Zofia Kossak, die für ihre Aktivitäten im Untergrund kämpfte, dafür in das deutsche Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde und dort nur knapp dem Tod entging, musste sich nach 1945 in ihrer Heimat der Missgunst polnischer Kommunisten erwehren. Nach einem aussichtlosen Kampf mit der Zensur und einem Regime, das jeden antikommunistischen Widerstand mit harten Strafen belegte, floh die Schriftstellerin nach London, wo sie sich sozial-karitativ betätigte und die dortigen Exilorganisationen unterstützte. Als sie 1957 trotz des rauen politischen Windes und übler Verleumdungen nach Polen zurückkehrte, blieb sie ihrer Linie treu und publizierte in katholischen Zeitschriften. Auch literarisch war sie nach wie vor sehr aktiv. Mit ihrem zweiten Ehemann Zygmunt Szatkowski schrieb sie den Roman ʺTroja północyʺ, ein epochales Werk über die deutsch-polnischen Antagonismen in Westpommern. ʺMeine Großeltern hatten es nicht leicht in der Volksrepublik Polen. Die Repressionen gegen die Kirche, Entführungen und Verhaftungen von katholischen Geistlichen - dies alles haben sie natürlich hautnah miterlebt. Nachdem Oma einen staatlichen Literaturpreis ablehnte und daraufhin die negativen Reaktionen der Kommunisten zu spüren bekam, wollte sie gar ein zweites Mal ausreisenʺ - erinnert sich der Schweizer Literaturprofessor und Enkel von Zofia Kossak, François Rosset.

Die talentierte Autorin verstarb im Jahr 1968 in Bielsko-Biała. Ihre letzte Ruhe fand sie aber bezeichnenderweise dort, wo sie in der Vor- und Nachkriegszeit am glücklichsten war: im schlesischen Górki Wielkie.

Aus Berlin, Wojciech Osiński