Mitte September 1939 zeichnete sich ab, dass die militärische Lage Polens hoffnungslos geworden war. Die polnische Regierung schlug vor, die Gold- und Devisenbestände der Polnischen Bank nach Frankreich zu verlagern. Der frühere Diplomat und Finanzminister Ignacy Matuszewski veranlasste die Evakuierung des Goldes, noch bevor die Deutschen die wichtigsten polnischen Institutionen besetzen konnten. Dank seiner Entschlossenheit erreichten alsbald 70 Tonnen des Edelmetalls eine Filiale der Banque de France.
Finanzminister Matuszewski mit seiner Ehefrau, der bekannten Leichtathletin und ersten polnischen Olympiasiegerin Halina Konopacka. (NAC)
Matuszewski schrieb zudem Geschichte als Chef des polnischen Geheimdienstes, der maßgeblich zum Sieg im Polnisch-Sowjetischen Krieg beitrug. Als scharfsichtiger Analytiker und Publizist sagte er schließlich nicht nur die polnische Niederlage im Herbst 1939 voraus, sondern ebenso die Folgen der moskaufreundlichen Politik der Alliierten und der Regierung Władysław Sikorskis. Vor dem Zweiten Weltkrieg war Matuszewski eine polnische Institution: Seine Weggefährten und Gegner beschrieben ihn als einen geistreichen Ästheten und kämpferischen Debattierer, der dem polnischen Konservatismus durch profunde Gelehrtheit und unideologische Streitlust eine Stimme verlieh. Trotzdem fand er später keinen Platz im nationalen Gedächtnis der Polen. Ein Beitrag von Wojciech Osiński.