In Ländern wie Argentinien, Brasilien, Mexiko oder Kolumbien ist Fußball ein zentraler Bestandteil der nationalen Identität. Jedes gewonnene Spiel, gerade auch gegen ein Nachbarland während der kontinentalen WM-Qualifikation oder der Copa América, wird nicht selten zur politischen „Widerstandsflamme“ gegen äußere Einflüsse. Staatsoberhäupter und Ministerpräsidenten setzen auf die emotionale Wucht des Fußballs, um innenpolitische Legitimität zu sichern. Und umgekehrt: Eine Niederlage bedeutet bisweilen den Machtverlust.
Im Sommer 1969 kam es noch schlimmer: Die mittelamerikanischen Länder El Salvador und Honduras kämpften um das Ticket zur Weltmeisterschaft in Mexiko. So weit, so gut. Das entscheidende Spiel gewann El Salvador und überzog sein Nachbarland anschließend mit Krieg. Die Gründe für den sog. „Fußballkrieg“ waren vielschichtig und wurden acht Jahre später von dem polnischen Meisterreporter Ryszard Kapuściński glänzend beschrieben.
Foto_2: Titelseite der Tageszeitung „Diario de Hoy“ nach dem entscheidenden Sieg El Salvadors gegen Honduras. (Iberoamerikanisches Institut Berlin)
Kapuściński hielt sich ab 1967 fünf Jahre lang in Mittel- und Südamerika auf, wo er vor allem als Auslandskorrespondent der Polnischen Presseagentur (PAP) tätig war. Mag auch einiges in der „Wojna futbolowa“ erfunden und der Blick des Autors nicht gänzlich von ideologischen Einfärbungen frei sein (Kapuściński war zu diesem Zeitpunkt kein erklärter Gegner des Regimes in Warschau), so birgt seine in viele Sprachen übersetzte Reportage auch noch heute verborgene Botschaften, die sich auf die sportlich-politischen Verhältnisse in einigen lateinamerikanischen Ländern übertragen lassen. Ein Beitrag von Wojciech Osiński.