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Der „Fußballkrieg“ aus der Sicht eines Jahrhundertreporters

28.07.2026 10:45
In Lateinamerika wird Fußball etwas anders gespielt, gelebt, gefeiert. Und ist vor allem enger mit Politik verbunden. Jeder erfolgreiche Torschuss wird zu einer Metapher für Hoffnung, kann jedoch ebenso einen militärischen Konflikt auslösen, wie zwischen Honduras und El Salvador. Der polnische Autor Ryszard Kapuściński hat diesen „Fußballkrieg“ von 1969 in einer meisterhaften Reportage beschrieben.
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  • Der „Fußballkrieg“ aus der Sicht eines Jahrhundertreporters
Ryszard Kapuściński gehrt zu den Meistern der polnischen Reportage. In den Jahren 1967-72 arbeitete er als PAP-Korrespondent in Lateinamerika und zeigte auf, wie eng der dortige Fuball mit der Politik verknpft ist.
Ryszard Kapuściński gehört zu den Meistern der polnischen Reportage. In den Jahren 1967-72 arbeitete er als PAP-Korrespondent in Lateinamerika und zeigte auf, wie eng der dortige Fußball mit der Politik verknüpft ist. NAC

In Ländern wie Argentinien, Brasilien, Mexiko oder Kolumbien ist Fußball ein zentraler Bestandteil der nationalen Identität. Jedes gewonnene Spiel, gerade auch gegen ein Nachbarland während der kontinentalen WM-Qualifikation oder der Copa América, wird nicht selten zur politischen „Widerstandsflamme“ gegen äußere Einflüsse. Staatsoberhäupter und Ministerpräsidenten setzen auf die emotionale Wucht des Fußballs, um innenpolitische Legitimität zu sichern. Und umgekehrt: Eine Niederlage bedeutet bisweilen den Machtverlust.

Im Sommer 1969 kam es noch schlimmer: Die mittelamerikanischen Länder El Salvador und Honduras kämpften um das Ticket zur Weltmeisterschaft in Mexiko. So weit, so gut. Das entscheidende Spiel gewann El Salvador und überzog sein Nachbarland anschließend mit Krieg. Die Gründe für den sog. „Fußballkrieg“ waren vielschichtig und wurden acht Jahre später von dem polnischen Meisterreporter Ryszard Kapuściński glänzend beschrieben.


Foto_2: Titelseite der Tageszeitung „Diario de Hoy“ nach dem entscheidenden Sieg El Salvadors gegen Honduras. (Iberoamerikanisches Institut Berlin) Foto_2: Titelseite der Tageszeitung „Diario de Hoy“ nach dem entscheidenden Sieg El Salvadors gegen Honduras. (Iberoamerikanisches Institut Berlin)

Kapuściński hielt sich ab 1967 fünf Jahre lang in Mittel- und Südamerika auf, wo er vor allem als Auslandskorrespondent der Polnischen Presseagentur (PAP) tätig war. Mag auch einiges in der „Wojna futbolowa“ erfunden und der Blick des Autors nicht gänzlich von ideologischen Einfärbungen frei sein (Kapuściński war zu diesem Zeitpunkt kein erklärter Gegner des Regimes in Warschau), so birgt seine in viele Sprachen übersetzte Reportage auch noch heute verborgene Botschaften, die sich auf die sportlich-politischen Verhältnisse in einigen lateinamerikanischen Ländern übertragen lassen. Ein Beitrag von Wojciech Osiński.