Mitte Juli jährte sich der Todestag von Aleksander Fredro zum 150. Mal. Aus heutiger Sicht mag es zunächst verblüffen, dass die Theaterstücke des wohl berühmtesten polnischen Komödienautors bei dessen Zeitgenossen teilweise auf heftige Ablehnung stießen. Dies lag u.a. daran, dass er Alltagssituationen beschrieb, für die seine Epoche noch überhaupt keine Begriffe hatte und mit solchem geistreich-feinsinnigen Humor oft nichts anzufangen wusste.
Der Bühnenklassiker „Zemsta“ („Die Rache“) wird seit seiner Veröffentlichung im Jahr 1838 immer wieder aufgeführt. Auf dem Bild sehen wir Ludwik Panczykowski, der in der Aufführung von 1868 Dyndalski verkörperte. (NAC)
Fredro war auch politisch aktiv: Obwohl in gutbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, regte sich in ihm schon früh der Protest gegen das staatlich-repressive System, das in den Teilungsimperien jegliche öffentliche Kritik seitens der polnischen Bevölkerung unter Strafe stellte. Er war gerade mal sechzehn Jahre alt, als er in den Napoleonischen Kriegen als Offizier der französischen Armee um die Unabhängigkeit Polens kämpfte. Nach 1815 wurde auch in Galizien die Meinungsfreiheit unterdrückt, das Polizei- und Spitzelwesen blühte.
Fredro-Denkmal in Wrocław, das bis 1944 in Lwów stand. (Wikimedia Commons)
Fredros pointenreiche Stücke (z. B. „Pan Jowialski“) sind witzig, warnen jedoch ebenso vor den Folgen der Ohnmacht und Verschwendungssucht einiger polnischer Politiker angesichts der Willkür der Herrschenden. Nachdem er seine besten Komödien verfasst hatte, ereilten ihn plötzlich Zweifel an der Kraft seiner Worte. Zeitgenössische Kritiker warfen ihm vor, sich der „leichtesten“ Form künstlerischen Ausdrucks gewidmet zu haben. Fredro verstummte für Jahrzehnte. Die zahlreichen Neuaufführungen sowie Verfilmungen seiner Bühnenklassiker lassen jedoch sein Werk bis heute leben und gedeihen. Wojciech Osiński berichtet.