Der 1912 in Łańcut geborene Czesław Bojarski studierte Bauingenieurwesen in Lwów und Architektur in Gdańsk. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geriet er in ungarische Gefangenschaft. Von dort aus gelang ihm die Flucht nach Frankreich. An der Seine war es ihm nicht vergönnt, beruflich Fuß zu fassen. Um seine finanzielle Situation zu verbessern, begann er, im großen Stil Geld zu fälschen, ohne seine Familie ins Vertrauen zu ziehen.
Bojarskis „Geschäft“ lief prächtig: Die Geldscheine waren nahezu perfekt gefälscht und die Verteilungssysteme ausgeklügelt. Die in Paris beauftragten Falschgeldjäger waren ratlos, konnten ihm nicht auf die Schliche kommen. Bojarski blieb beinahe fünfzehn Jahre unentdeckt, bis er einen Fehler beging. Als die Ermittler ihn 1964 enttarnt haben, gaben sie zu, dass sie es noch nie mit einer solchen Kunst der Notenfälschung zu tun gehabt hatten.
Ein Mugshot von Bojarski nach seiner Festnahme im Januar 1964. Archives Nationales
Der französische Regisseur Jean-Paul Salomé hat die Biografie des genialen polnischen Fälschers über weite Strecken im Stil eines „Film noir“ inszeniert. Der Kinofilm wirkt jedoch zuweilen auch wie eine beeindruckende Reportage über eine turbulente Zeit, in der die Banque de France ständig neue Geld-Editionen in Umlauf bringen musste, um Geldfälschern das Handwerk zu legen. Und es ist ein Film über einen polnischen Einwanderer, dessen Lebensweg stark von den Ereignissen und Vorurteilen im Nachkriegsfrankreich geprägt ist.
Ein Beitrag von Wojciech Osiński.
Der Film „L’affaire Bojarski“ des französischen Regisseurs Jean-Paul Salomé läuft seit dem 30. Juli in den deutschen Kinos. Artémis Productions