Die 1913 in Warschau geborene und 1985 im süddeutschen Oberaudorf verstorbene Autorin Barbara Toporska war eine vielseitig begabte Künstlerin. Das Zusammenwirken ihrer Künste erprobte sie auch in der Praxis, vornehmlich in München, wo sie jahrzehntelang gemeinsam mit ihrem Ehemann Józef Mackiewicz lebte. Nach Ansicht des Polonisten Jan Zieliński war Mackiewicz der „größte polnische Prosaiker des 20. Jahrhunderts“. Doch wir finden ihn nur selten in den Lektüreempfehlungen für den Polnischunterricht. Nur wenige Schüler wissen etwas über sein Leben, geschweige denn über seinen brillanten Schreibstil.
Dies gilt gleichfalls für Barbara Toporska, die - ebenso wir ihr Gatte - zeitlebens eine äußerst kritische Haltung gegenüber der kommunistischen Regierung in Warschau vertrat. Beide waren in der Volksrepublik strengstens verboten. In der liberalen Bundesrepublik, so könnte man meinen, durften sie tun und schreiben, was sie wollten. Das taten sie auch, jedoch befanden sie sich in den Jahren der sog. „Entspannungspolitik“ ob ihres kompromisslosen Blicks auf die Sowjetunion außerhalb der Reichweite vieler westdeutscher Literaturkritiker.
Dabei ist insbesondere das Werk Barbara Toporskas nicht lediglich von politischen Fragen bestimmt. Mit ihren Bildern und Gedichten erwies sie sich als eine „malende Poetin“ bzw. „poetische Malerin“. Ihre bilderreichen, lautmalerischen, von Synästhesie durchdrungenen Zeilen versah sie oft mit eigenen Zeichnungen. Auch ihre Prosa fand unter den Exilpolen in Europa und Amerika Beachtung. Ihr Roman „Siostry“ (1966) wurde in London mit einem wichtigen Literaturpreis ausgezeichnet. Mehr über das Leben von Toporska und ihre in den wirren Jahren Nachkriegsdeutschlands entstandenen Werke erzählt Wojciech Osiński.