Als im Jahr 1929 Kurt Tucholskys „Deutschland, Deutschland über alles“ erschien, waren selbst seine Freunde skeptisch, sorgten sich, dessen Rundumschlag gegen die „Borniertheit“ seiner Landsleute liefere den an die Macht strebenden Nationalsozialisten Munition für den Angriff auf die ohnehin geschwächte Weimarer Republik. Seine bissige Satire war eine Generalabrechnung mit der „deutschen Seele“, die sich seiner Meinung nach zu dieser Zeit im wilhelminischen „Untertanengeist“ und im Fremdenhass der Nazis ausdrückte.
Der kritischste Journalist der Weimarer Republik lebte als Kind mit seinen Eltern im zweiten Stock des bis heute erhaltenen Hauses in der ul. Rayskiego 29. fot. (Wojciech Osiński
Tatsächlich schäumte die Nazi-Presse vor Wut und nach Hitlers Machtübernahme gehörte Tucholsky zu den ersten Autoren, die zur Verhaftung ausgeschrieben und dessen Bücher auf dem Opernplatz verbrannt wurden. Da war er aber bereits im sicheren Schweden. Schon in der Jugend hat es ihn nach Norden gezogen, er mochte das raue Klima der Ostsee.
Tucholsky mit seinen jüngeren Geschwistern. fot. Tucholsky-Museum Rheinsberg
Diese Liebe nahm in (dem damals zwischenzeitlich deutschen) Szczecin ihren Anfang, wo sein Vater eine Stelle als Bankdirektor angetreten hatte und der spätere Schriftsteller einen Teil seiner Kindheit verbracht hatte. In den Jahren 1893-99 hielt er sich zudem regelmäßig in den Ostseebädern Międzyzdroje und Świnoujście auf. Diese Landschaften sowie das Meer wurden für Kurt Tucholsky zu lebenslangen Sehnsuchtsorten, was sich später gleichfalls in seinen literarischen Werken niederschlug. Aus Szczecin berichtet Wojciech Osiński.
Das polnische Szczecin hat Kurt Tucholsky nicht vergessen. fot. Wojciech Osiński