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Pionierin mit kritischem Blick: Die drei Leben der Zofia Nałkowska

17.12.2025 09:00
Die am 17. Dezember 1954 verstorbene Zofia Nałkowska wird in Polen bis heute als eine der besten Vertreterinnen des psychologischen Romans gepriesen. Bereits ihre ersten Prosatexte, die noch in der Młoda Polska-Epoche erschienen waren, wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Doch sie war mehr als „nur“ eine fähige Autorin.  
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  • Pionierin mit kritischem Blick: Die drei Leben der Zofia Nałkowska
Zofia Nałkowska war aus dem Kulturleben Vor- und Nachkriegspolens nicht wegzudenken.
Zofia Nałkowska war aus dem Kulturleben Vor- und Nachkriegspolens nicht wegzudenken. NAC

Zofia Nałkowska repräsentiert einen Typus der engagierten Schriftstellerin, die es in Polen vor 1918 nur in Ausnahmefällen bzw. in politischen Umbruchzeiten gegeben hatte. Sie knüpfte nicht nur an die Strömungen der Młoda Polska an, sondern entwickelte ebenso den traditionellen Gesellschafts- und Zeitroman schöpferisch weiter. Zu nennen ist hier vor allem ihr Roman „Granica“ („Die Schranke“) aus dem Jahr 1935, der ein Spiegelbild einer sich wandelnden polnischen Gesellschaft entwirft. Das Jahr, in dem er erschien, war eines der dunkelsten: Im Mai verstarb Józef Piłsudski und im September wurden im Nachbarland Deutschland die „Nürnberger Gesetze“ erlassen. Bald folgte der deutsche Angriff auf Polen.


Nach 1945 war Nałkowska u.a. Parlamentarierin und Mitglied der Kommission zur Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen (Instytut Pamięci Narodowej). Nach 1945 war Nałkowska u.a. Parlamentarierin und Mitglied der Kommission zur Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen (Instytut Pamięci Narodowej).

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Nałkowska politisch: Sie war u.a. Mitglied der Kommission zur Untersuchung deutscher Kriegsverbrechen sowie Sejm-Abgeordnete. Im Jahr 1946 veröffentlichte sie ihre Erzählsammlung „Medaliony“ („Medaillons“), in der erstmals die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verbrechen mit dichterischen Mitteln verdeutlicht wird. Zugleich kam die Haltung einiger ihrer Romanhelden hochrangigen Kommunisten entgegen. Zofia Nałkowska verstarb Ende 1954, noch bevor jüngere Autoren die stalinistische Kulturpolitik als eine perfekt kontrollierte Propagandamaschine enttarnen sollten und sich selbst in einen Traditionszusammenhang einzuordnen versuchten, den sie durch die sowjetische Okkupation unterbrochen glaubten. Mehr dazu von Wojciech Osiński.