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Zum 100. Stadtjubiläum von Gdynia: Antoni Abraham und die „kaschubische Frage"

05.03.2026 10:00
Vor hundert Jahren erhielt die polnische Ostseestadt Gdynia ihre Stadtrechte. In dem ehemaligen Fischerdorf war schon vor 1926 viel los: Die Regierung in Warschau rief ein gewaltiges Bauprojekt ins Leben, aus dem ein prosperierender Hafen hervorgehen sollte. Zu seinen Förderern gehörte u.a. der „König der Kaschuben“ - Antoni Abraham.  
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  • Zum 100. Stadtjubiläum von Gdynia: Antoni Abraham und die „kaschubische Frage“
Der kaschubische Knig Antoni Abraham (Mitte) reiste mit seiner Delegation durch ganz Polen, um seine Landsleute ber den Hafenbau zu informieren. (Stadtmuseum Gdynia)
Der „kaschubische König“ Antoni Abraham (Mitte) reiste mit seiner Delegation durch ganz Polen, um seine Landsleute über den Hafenbau zu informieren. (Stadtmuseum Gdynia)Muzeum Miasta Gdynia

Nach der Gründung der Freien Stadt Danzig im November 1920 sahen sich zahlreiche Polen und Kaschuben schlagartig ihres Einkommens beraubt. In den Fokus der Regierenden in Warschau geriet daher das kaschubische Dorf Gdynia, in dem sich zu diesem Zeitpunkt allenfalls 130 Häuser befanden und das vornehmlich vom Fischfang lebte. Die Siedlung Oksywie war bereits im 17. Jahrhundert von dem polnischen König Władysław IV. Waza als Flottenstützpunkt in Betracht gezogen worden. Davon abgesehen führten die in Gdynia lebenden Kaschuben jahrhundertelang ein ruhiges Dasein.

 

Auf der Pariser Friedenskonferenz (1919-20) wurde versucht, weltweit dauerhaft Frieden zu schaffen - auch in der Kaschubei. (NAC) Auf der Pariser Friedenskonferenz (1919-20) wurde versucht, weltweit dauerhaft Frieden zu schaffen - auch in der Kaschubei. (NAC)

Im Jahr 1921 war das „verschlafene“ Gdynia aber bereits zum Geheimtipp für Badetouristen aus ganz Polen geworden. Trotz des Andrangs war das Dorf infrastrukturell wenig bis gar nicht erschlossen. Hier sollte nun Großes entstehen: Der kaschubische Wortführer Antoni Abraham, der zuvor mit Roman Dmowskis Komitet Narodowy Polski (KNP) an der Pariser Friedenskonferenz teilnahm, zeigte sich bestürzt über die Auswirkungen des Versailler Vertrags auf Pommern: Nachdem das „freie“ Danzig zum verlängerten Arm Berlins wurde, setzte sich Abraham für den Bau eines polnischen Hafens in Gdynia ein. Unter der Federführung des Finanzministers und Vizepremiers Eugeniusz Kwiatkowski sowie des Ingenieurs Tadeusz Wenda erfolgte 1921 der erste Spatenstich zur Errichtung eines Hafens und modernen Stadtzentrums, dessen Silhouette sich schon bald abzuzeichnen begann.

 

Gdynia erhielt 1926 das Stadtrecht und wurde anschließend zur wichtigsten Hafenstadt der Zweiten Polnischen Republik. (NAC)

Gdynia erhielt 1926 das Stadtrecht und wurde anschließend zur wichtigsten Hafenstadt der Zweiten Polnischen Republik. (NAC)

Übergangen wird hierbei oft das unermüdliche Engagement der Kaschuben, die sich als polnische Patrioten verstanden („Nie ma Kaszëb bez Polonii, a bez Kaszëb Polści!“).  Als der Hafenbau in Gdynia wegen finanziellen Rückschlägen zeitweise ins Stocken geriet, war es vor allem Antoni Abraham, der über die Bereiche Politik, Presse und Literatur auf die enorme Bedeutung des „Fensters zur Welt“ verwies, ja sie für die Polen in allen Landesteilen verbindlich machte. Mehr über den „König der Kaschuben“ und seine Bedeutung für Gdynia erzählt Wojciech Osiński.

 

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