Deutsche Redaktion

„Sól ziemi“ - der erste polnische Roman über den „Großen Krieg“

13.03.2026 10:00
Vor 50 Jahren verstarb der polnische Autor Józef Wittlin. Er hat ein beeindruckendes literarisches Erbe hinterlassen, das in diesem Jahr allerdings noch nicht ausreichend gewürdigt wurde. Dabei gibt es gleich drei runde Jubiläen, die uns dazu veranlassen.
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  • „Sól ziemi“ - der erste polnische Roman über den „Großen Krieg“
Józef Wittlin flchtete vor den deutschen Nazis ins US-amerikanische Exil, verbrachte ber drei Jahrzehnte in New York.
Józef Wittlin flüchtete vor den deutschen Nazis ins US-amerikanische Exil, verbrachte über drei Jahrzehnte in New York.NAC

Der Erste Weltkrieg brachte in Polen eine reiche Ernte an Prosatexten aus der Feder von Autoren, die in den entlegensten Winkeln der Welt gekämpft hatten. Den großen Erzähler Ferdynand Goetel verschlug es nach Usbekistan. Der später allseits umworbene Romancier Ferdynand Antoni Ossendowski hielt sich in Russland auf. Andere Schriftsteller, die nach dem „Großen Krieg“ landesweiten Ruhm erlangten (z. B. Andrzej Strug), kämpften zuvor in den Reihen der Polnischen Legionen. Für einige Nationen in Europa bedeutete dieser Krieg eine menschliche Ohnmachtserfahrung, brachte Unheil mit sich. Von anderen wurde er als willkommenes Abenteuer herbeigesehnt, weil er die staatliche Unabhängigkeit ankündigte. Die maschinell geprägte Kriegsführung sowie das Massensterben in den Schützengräben ließen jedoch auch viele polnische Überlebende existenziell erschüttert und orientierungslos zurück. Daher dauerte es noch Jahre, bis in Polen der erste richtige Kriegsroman erschien.


Der Roman „Das Salz der Erde“ wurde in viele Sprachen übersetzt, u. a. ins Deutsche und Spanische. (Minúscula) Der Roman „Das Salz der Erde“ wurde in viele Sprachen übersetzt, u. a. ins Deutsche und Spanische. (Minúscula)

Während Stanisław Rembek in seinem Buch „W polu“ (1937) genial vom Schicksal einer polnischen Artillerieeinheit im Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1920 berichtet, konzentriert sich Józef Wittlin in dem vor 90 Jahren veröffentlichten Roman „Sól ziemi“ vornehmlich auf den Ersten Weltkrieg, in dem zahlreiche Polen in fremden Diensten kämpfen mussten. Das Thema ist hier also nicht der Krieg an sich, sondern der Zustand eines Menschen, der gegen seinen Willen in ihn verstrickt wird. Mit gewaltiger Sprachkraft und einer stimmungsvollen Charakteristik gelingt Wittlin die Demontage jeder Kriegsbegeisterung. Mehr über den ersten polnischen Kriegsroman im 20. Jahrhundert sowie seinen Autor berichtet Wojciech Osiński