Stanisław Grochowiak galt zunächst als ein vom Regime Verstoßener, der seine Gedichte und Theaterstücke hauptsächlich in Privatwohnungen vorführte. Er suchte nach neuen und radikalen Formen. Laut Literaturhistorikern gehörte er zu den Vertretern des „Turpismus“, der den Kult des „Widerwärtigen und Hässlichen“ auf die Spitze getrieben habe. Seine Kollegen und Freunde bezeichneten ihn hingegen als einen der „feinfühligsten“ Dichter der polnischen Literaturgeschichte. Seit den großen Romantikern habe keiner so gut über die Liebe und Erotik geschrieben wie er, behauptete vor einigen Jahren der Schriftsteller Ernest Bryll.
Nach dem Tauwetter 1956 beteiligte sich Grochowiak an einigen spannenden Debatten um Sinn und Funktion der polnischen Nachkriegslyrik. Nachdem er als einer von wenigen mutigen Autoren vor der „Versachlichung des Menschen“ im Sozialismus warnte, wurde er prompt als Wegbereiter der „konterrevolutionären Entwicklung“ gebrandmarkt. Als aber die Literatur in den von einer erneuten Verhärtung geprägten Spätsechzigern eine noch stärkere Instrumentalisierung erfuhr, hat sich auch Grochowiak teilweise dem System angepasst. Im Jahr 2026 jährt sich sein Todestag zum 50. Mal. Ein Beitrag von Wojciech Osiński.