Mit Gedenkveranstaltungen hat Warschau in dieser Woche an die Opfer des Wola-Massakers erinnert. In den ersten Augusttagen, kurz nach dem Ausbruch des Warschauer Aufstands 1944, ermordeten die deutschen Besatzer innerhalb weniger Tage schätzungsweise 15.000 bis 60.000 Zivilisten. Niemand wurde verschont – auch Frauen und Kinder wurden erschossen.
In der heutigen Sendung sprechen wir über den Mann, der hinter diesem Verbrechen stand, dafür aber nie verurteilt wurde: Heinz Reinefarth. Er war der einzige SS-General des Dritten Reiches, der nach 1945 auf Landesebene ein politisches Amt bekleidete.
Um den Fall Reinefarth entwickelte sich schließlich eine publizistische Debatte, die den Anstoß für die juristische Aufarbeitung der deutschen Verbrechen während des Warschauer Aufstands gab. Dennoch starb Reinefarth 1979 auf Sylt – ohne jemals verurteilt worden zu sein und weitgehend in Vergessenheit geraten.
Unser Gast ist Dr. Philipp Marti, Historiker und Autor des Buches „Der Fall Reinefarth: Eine biografische Studie zum öffentlichen und juristischen Umgang mit der NS-Vergangenheit“.