Die Werke von Hans Fallada erleben in den letzten Jahren eine unverhoffte Renaissance. Die Neuübersetzung seines Romans „Jeder stirbt für sich allein“ (1947) machte ihn posthum weltberühmt. Die „New York Times“ schrieb von einem „literarischen Großereignis“, die Pariser Kritiker von einer „kunstvollen und tiefgründigen Alltagsprosa“, die aber gleichzeitig so „atemberaubend und spannend“ sei wie ein Spionagethriller von John le Carré. In seiner vollständigen Fassung erschien der Roman erst im Jahr 2011. Fallada erzählt darin die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des Arbeiterehepaares Quangel (eigentlich: Hampel), das sich - ausgelöst durch den sinnlosen Kriegstod des Sohnes - entscheidet, Widerstand gegen die Nationalsozialisten zu leisten.
Hans Fallada gilt als einer der bedeutendsten deutschen sozialkritischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. (Bundesbildstelle)
Falladas Morphinsucht zwang ihn zu mehreren Klinikaufenthalten und häufigen Umzügen. So lebte er u.a. in Greifswald, Berlin, Carwitz, Leipzig und in Stettin. Im brandenburgischen Neuenhagen hingegen schrieb er seinen Weltbestseller „Kleiner Mann, was nun?“ (1932). Es ist ein Roman über das Schicksal eines Gestrauchelten, der während der Wirtschaftskrise bemüht ist, sich aufzurichten. Auf seine Deklassierung reagiert der Held mit Verstörung, allein in der Liebe zu seiner Familie findet er eine gewisse Entschädigung für den sozialen Abstieg. Das Buch erreichte ein Millionenpublikum. Auch bei Schriftstellerkollegen wie Thomas Mann stieß es auf große Begeisterung.
Seinen verdienten Ruhestand in Neuenhagen bei Berlin genießt Hans Fallada auch in eisigen Zeiten. (fot. Wojciech Osiński)
Aus der „Gartenstadt“ Neuenhagen berichtet Wojciech Osiński.
Foto_5: „Der ,Fallada-Boomʻ ist auch bei uns zu spüren“, so Erik Koch, der Pressesprecher des Bürgermeisters der Gemeinde Neuenhagen. fot. Wojciech Osiński