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Insel der Freiheit: Hundert Jahre Germanistik an der Katholischen Universität Lublin

18.07.2026 09:00
Sie ist mehr als nur eine ausgezeichnete Kaderschmiede. Die 1918 gegründete Katholische Universität Lublin blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, geprägt von einer beeindruckenden Standhaftigkeit. Dies gilt auch für die dortige Germanistik.  
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  • Wojciech Osiński im Gespräch mit Prof. Dr. Anna Rutka
Prof. Dr. Anna Rutka ist Germanistik-Professorin an der Katholischen Universitt Lublin. (Wojciech Osiński)
Prof. Dr. Anna Rutka ist Germanistik-Professorin an der Katholischen Universität Lublin. (Wojciech Osiński) Wojciech Osiński

Nach der Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit im Jahr 1918 gründeten einige polnische Geistliche die Katholische Universität Lublin. In einer Vielvölkerstadt war die neue Institution nicht ein Ort der Konfrontation, sondern der Begegnung und Gedankenfreiheit. Dies betraf ebenso das Fach Deutsche Philologie. Obwohl sich das deutsch-polnische Verhältnis schon in den 1920ern zusehends verschlechtert hatte (Schlesische Aufstände, Zollkrieg), blieb sie ein fester Bestandteil des akademischen Angebots. An der KUL studierte u.a. der spätere Primas Stefan Wyszyński. Der Schriftsteller Józef Czechowicz ließ sich hier zum Lehrer ausbilden, bevor ihn im September 1939 deutsche Bomben töteten.

Gründer und erster Rektor der KUL war der Priester Idzi Benedykt Radziszewski. (Wojciech Osiński)
Gründer und erster Rektor der KUL war der Priester Idzi Benedykt Radziszewski. (Wojciech Osiński)

 

Nach dem Überfall Deutschlands wurden zahlreiche Lubliner Geistliche sowie Professoren verhaftet oder ermordet, der Lehrbetrieb eingestellt. Im August 1944 wurde er wieder aufgenommen. Die Katholische Universität Lublin war eine nichtstaatliche, vornehmlich von Spenden der Gläubigen finanzierte Hochschule, die sich von den Dogmen des Marxismus distanzierte und damit zu einem wichtigen Refugium für Regimekritiker wurde. „Unsere Universität dient der gegenseitigen Offenheit von Glauben und menschlicher Vernunft in unserem Land. Ihr katholischer Hintergrund übt dabei eine besondere Anziehungskraft aus“, so Johannes Paul II., der bis zu seiner Papstwahl 1978 an der KUL als Professor tätig war.

An der KUL studierte u.a. der spätere „Primas des Jahrtausends“ Stefan Wyszyński. In den Jahren 1946-48 war er zudem Bischof von Lublin (hier mit dem damaligen Bischof von Krakau Karol Wojtyła). (NAC)
An der KUL studierte u.a. der spätere „Primas des Jahrtausends“ Stefan Wyszyński. In den Jahren 1946-48 war er zudem Bischof von Lublin (hier mit dem damaligen Bischof von Krakau Karol Wojtyła). (NAC)

Und auch in Sachen Germanistik nahm die Hochschule nach 1945 eine Ausnahmeposition ein: Während an anderen Universitäten marxistische Literaturtheorie und DDR-Literatur vermittelt wurden, erfuhren die Studenten der KUL viel Wissenswertes über westdeutsche und österreichische Autoren. Zudem unterhielt die Hochschule enge Kontakte zur Emigration sowie zu den in der BRD gegründeten Solidarność-Büros. Darüber (und über noch viel mehr) sprechen wir mit der Germanistin Prof. Anna Rutka. Aus Lublin berichtet Wojciech Osiński.     


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