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Deutsche Redaktion

"Viel geredet, nichts gesagt"

28.04.2021 11:48
Es geht um die polnische Medienlandschaft und Berichterstattung.
Presseschau
PresseschauShutterstock.com

PLUS MINUS: Viel geredet, nichts gesagt

In letzter Zeit habe sie immer wieder das Gefühl, dass es mehr Menschen gäbe, die über Russland schreiben, als jene die diese Texte dann lesen wollen, stellt in ihrem Feuilleton in der Wochenzeitschrift Plus Minus die Publizistin Irena Lasota fest. Als es die Sowjetunion noch gegeben habe, habe es auch wahre Experten gegeben aus deren Texten man viel über das Land erfahren konnte. Diese Menschen hätten Texte verfasst, die Politikern geholfen haben, richtige Entscheidungen zu treffen. Weise Sowjetologen habe es unter anderem in den USA, in Frankreich und in Großbritannien gegeben. Eine der wichtigsten Figuren sei Professor Wiktor Sukiennicki gewesen, der 1982 in Stanford starb. Sukiennicki habe der Generation von sehr gut ausgebildeten Wissenschaftlern angehört, die ihre Rolle sehr ernst verstanden hätten. Er habe noch vor Kriegsende den polnischen General Anders dazu überzeugen können, anhand von Berichten und Erinnerungen der polnischen Soldaten und Zivilisten die in die sowjetischen Lager verschleppt worden waren, tiefgreifende Studien über das Wesen des Kommunismus in die Wege zu leiten. Dank dem Einsatz von Sukiennicki sei die erste Landkarte des Gulag entstanden, erinnert die Publizistin.

Sie erinnere an den Beitrag des polnischen Wissenschaftlers, so Lasota weiter, weil sie das Gefühl habe, dass heute keine wichtigen Texte über die Situation im Osten Europas verfasst würden. Es gebe inzwischen zwar zahlreiche Denkfabriken und Stiftungen, es würden aber nur selten Analysen entstehen, die sie mit Interesse hätte durchlesen wollen. Man beschäftige sich kaum mit dem Sammeln von Zeugnissen, die die aktuelle Situation in Ländern wie die Ukraine oder Belarus dokumentieren würden. Es gäbe momentan in Polen eine Vielzahl von Belarussen - ihre Erfahrungen würden aber kaum gesammelt und ausgewertet, urteilt die Publizistin. Das gleiche beziehe sich übrigens auf die Zeugen der Krimannexion oder des Krieges im Osten der Ukraine. Auch die Tschetschenen und Georgier hätten wohl viel über die Sachstände, die jenseits der östlichen Grenze Polens herrschen, zu berichten. Solche Informationen würden doch mit Sicherheit stark zu unserem Russland-Verständnis beitragen und könnten uns sehr viel über die Lage der unter russischem Einfluss stehenden Länder sagen.

Eine solche akribische Arbeit sei jedoch sehr mühsam, schreibt Lasota abschließend. Allem Anschein nach würden die meisten Kommentatoren deshalb davon ausgehen, dass es einfacher und bequemer sei, in einer der zahlreichen Radio- oder Fernsehsendungen aufzutreten und dem Publikum ihre mehr oder weniger zutreffenden Vorstellungen über die Situation im Osten zu präsentieren, statt nach langwierigen und jahrelangen Studien ein ernsthaftes Buch über den Osten herauszugeben. Sie bezweifle jedoch, dass Quantität mit der Zeit automatisch in Qualität übergehen werde, so Irena Lasota in der Wochenzeitschrift Plus Minus.

DO RZECZY: Medialer Rüstungswettkampf

Die Kondition der politischen Berichterstattung greift auch in ihrem Artikel in der Wochenzeitschrift Do Rzeczy die Publizistin Kamila Baranowska auf. Am Beispiel des Journalisten Rafał Woś bringe sie eine Tendenz näher, die seit mehreren Jahren immer deutlicher werde. Ende Mai werde Woś seine zweieinhalbjährige Zusammenarbeit mit der Krakauer Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny beenden. Man habe ihm den Vertrag nicht verlängert. Kurz nach dem er die Kündigung öffentlich bekannt gegeben habe, habe Woś in einem bitteren Feuilleton in einer Boulevardzeitung die Lage auf dem polnischen Pressemarkt kritisch zusammengefasst, erinnert Baranowska. Schon der Titel sei vielsagend gewesen: Mediale Sowjetunion lesen wir.

Woś habe in seinem Text diagnostiziert, dass die wichtigsten Medien in Polen schon gar nicht zu verstecken versuchten, dass sie nichts anderes als propagandistische Organe der um die Macht kämpfenden politischen Gruppierungen seien. Geht es nach dem Journalisten, würde die schlimmste Situation momentan in dem Lager der Liberalen herrschen. Dort gäbe es bereits gar keinen Platz für Andersdenkende mehr. Wer sich an den Hassritualen nicht beteiligen wolle, werde spätestens nach einem halben Jahre den Druck nicht aushalten und die Redaktion selbst verlassen, oder er werde einfach gefeuert. Diese Tendenz sei aber auch in den konservativen Medien zu beobachten, stellt der Autor im Gespräch mit der Wochenzeitschrift fest.

Geht es nach Woś habe sich die Lage besonders in der letzten drei Jahren zugespitzt. Viele Redaktionsleiter hätten bereits einen prinzipientreuen Kurs genommen. Der Rest der Redaktion müsse sich daran anpassen. Wer ein anderes Weltbild habe, werde hinausgestoßen. Er wiederhole mit voller Überzeugung, dass diese Tendenz besonders in den liberalen Redaktionen zu spüren sei. Diese Medien fühlten sich unter der PiS-Regierung in die Defensive gedrängt, deshalb würden sie äußerst nervös auf die Wirklichkeit reagieren. Aber auch die Konservativen würden den gleichen Fehler begehen. Der Rüstungswettkampf dauere an. Die Verbissenheit der Journalisten könne aber nichts Gutes mit sich bringen, sagt Rafał Woś im Gespräch mit Do Rzeczy.


Jakub Kukla