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Deutsche Redaktion

"Tag des Sieges wie Botox auf dem Gesicht von Wladimir Putin"

09.05.2022 13:37
Die linksliberale Gazeta Wyborcza druckt auf ihrer heutigen Titelseite ein Fragment der gestrigen Ansprache des ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Tag des Sieges ab. Dziennik Gazeta Prawna schreibt über zwei Aufnahmen von den Vorbereitungen zur Siegesparade, die Bände über die Kapazitäten des russischen Staates sprechen. Und die Rzeczpospolita spricht von tektonischen Änderungen in der Haltung der EU-Bürger zur Ukraine. Die Einzelheiten in der Presseschau.
Artur Liebhart przypomniał, że filmy o putinowskiej Rosji pojawiały się na festiwalu Docs Against Gravity
Artur Liebhart przypomniał, że filmy o putinowskiej Rosji pojawiały się na festiwalu Docs Against GravityJonas Petrovas/ Shutrterstock

Die linksliberale Gazeta Wyborcza druckt auf ihrer heutigen Titelseite ein Fragment der gestrigen Ansprache des ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Tag des Sieges ab, der in den Staaten des ehemaligen Ostblocks an das Ende des II. Weltkriegs erinnert. 

Gazeta Wyborcza: “Wieder” statt “Nie wieder”

Der Krieg habe Millionen Menschen das Leben gekostet und Millionen Gründe gegeben, “Nie wieder” zu sagen, so Selenskyj. In diesem Jahr würden wir “Nie wieder” jedoch anders sagen. Es klinge schmerzhaft und grausam. Am 24. Februar sei das Wort “nie” ausradiert worden. Beschossen und bombardiert. “Mit hunderten von Geschossen um 4 Uhr morgens, die die ganz Ukraine aufgeweckt haben. Wir haben fürchterliche Explosionen gehört. Wir haben nicht “nie wieder” gehört, sondern “wieder!”, so der ukrainische Staatspräsident.

“Die Stadt Borodzianka”, lesen wir in der Ansprache, “ist eines von vielen Opfern dieses Verbrechens! Hinter mir steht einer von vielen seiner Zeugen! Kein Militärobjekt, kein geheimer Stützpunkt, sondern ein einfacher 9-stöckiger Wohnblock.” Habe er eine Bedrohung für die Sicherheit Russlands darstellen können, eines Staats, dessen Territorium ein Achtel der Erdoberfläche umfasse, der die weltweit zweitgrößte Armee habe, einer Atommacht? “Kann es etwas Absurderes geben, als diese Frage? Es kann”, so Selenskij. “Die 250-Kilogramm schweren Bomben, die die Supermacht auf dieses Städtchen abgeworfen hat. Es kann heute nicht mehr sagen “Nie wieder!”. Es kann heute nichts mehr sagen. Aber hier ist alles auch ohne Worte klar”, so Selenskyj in seiner am 8. Mai publizierten Ansprache, deren Fragment heute die Gazeta Wyborcza abgedruckt hat. 

Dziennik/Gazeta Prawna: Tag des Sieges wie Botox auf dem Gesicht von Wladimir Putin

Wenn man die Macht des Kremls mit Hilfe von Dezibel der Soldatenrufe auf dem roten Platz misst, dann kann man natürlich sagen, dass die Russische Föderation imstande ist, alles zu gewinnen. Wenn man jedoch die Kapazitäten des Staates zur Kriegsführung mit der Qualität der Verbandskästen der Soldaten oder der Fähigkeit, Lebensmittel und Treibstoff zu liefern misst, dann sieht dieselbe Russische Föderation eher wie eine Fiktion aus, schreibt der Publizist des Wirtschaftsblatts Dziennik/Gazeta Prawna, Zbigniew Parafianowicz. Um diese Fiktion anzufassen, so der Autor, müsse man am Rande gesagt nicht lange suchen. In den Sozialen Medien seien seit ein paar Tagen zwei Aufnahmen in Umlauf. Eine stammt aus Archangelsk. Die Soldaten proben darauf in Gala-Uniformen vor dem 9. Mai. Alles finde auf einer verwahrlosten Plattensiedlung statt. Im Matsch. Und gleich bei einer Riesenpfütze, die aufgrund eines geplatzten Kanalisationsrohres entstanden sei. Im Hintergrund der spielenden Musik sei eine ältere Dame zu hören, die kommentiere: “Das ist ein Horror (...). In einer solchen Scheiße haben sie ihnen die Feier organisiert.” Eine Situation, die im auf ähnlicher geografischer Breite liegenden finnischen Oul nicht denkbar wäre, dessen Bewohner dem Kriegerimage Möbel aus Ikea vorziehen.

Eine zweite Aufnahme handle von Nikolai Iwanowicz, einem für besondere Verdienste ausgezeichneten Veteranen des II. Weltkriegs. Unter dem Fenster seines Wohnblocks würden Soldaten der Nationalgarde spielen. Er selbst könne, aus gesundheitlichen Gründen, die Treppe nicht heruntersteigen. Und auf dem Flur funktioniere der Lift nicht mehr. 

Diesen Karton, so der Publizist, werde weder eine kriegerische Ansprache von Wladimir Putin auf dem roten Platz, noch eine generelle Mobilisierung verdecken können. Die jämmerliche Qualität des Staates werde auch eine Verlegung von 90 Tausend russischen Soldaten aus Syrien nicht verbessern. 

Auch wenn Putin die Ukraine mit Raketenangriffen, der Abkopplung vom Schwarzen und Asowschen Meer oder der Besatzung der Südukraine und des Donbass quält - Russland bleibe nur eine Projektion von Stärke und das Botox vom Gesicht des Präsidenten, so Zbigniew Parafianowicz in Dziennik/Gazeta Prawna. 

Rzeczpospolita: Europäer in Ukraine verliebt

Und zum Abschluss noch die Ergebnisse einer aktuellen Meinungsumfrage der EU-Kommission zur Haltung der Europäer zur Ukraine aus der konservativ-liberalen Rzeczpospolita. In der Umfrage, schreibt Publizist Jędrzej Bielecki, würden sich tektonische Änderungen abzeichnen. So sollte die Ukraine, die bis vor Kurzem aus der Perspektive von Rom oder Paris nicht Teil der westlichen Zivilisation sei, nun laut dem Großteil der Befragten aus den 27 EU-Mitgliedstaaten, der EU beitreten, sobald sie “bereit ist”. Dieser Meinung seien 66 Prozent der Befragten, während drei Mal weniger Respondenten (22 Prozent) entgegengesetzter Meinung gewesen seien. 

Spitzenreiter bei der Öffnung der Pforten zum Vereinigten Europa sei das am anderen Ende des Kontinents liegende Portugal (87 Prozent Befürworter). Am anderen Ende des Spektrums könne man leider den langjährigen Verbündeten Polens Ungarn finden. Jahre von nationalistischer Propaganda haben zur Folge, dass an der Donau nur noch 48 Prozent der Befragten die Ukraine in der EU sehen würde. 

Für eine Aufnahme der Ukraine seien die Europäer auch zu Opfern bereit. So seien etwa 85 Prozent der Europäer für eine möglichst schnelle Reduktion der Abhängigkeit von russischem Öl und Gas. Und das, obwohl sich alle bewusst seien, dass dies zu Preisanstiegen für EU-Firmen und sie selbst führen werde, so Jędrzej Bielecki in der Rzeczpospolita. 

Autor: Adam de Nisau