Deutsche Redaktion

Deutsche Raketen in Polen

22.11.2022 11:33
Es geht um deutsche Patriot-Systeme in Polen, die anstehenden Parlamentswahlen in Polen und die Fußball-WM in Katar. 
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RZECZPOSPOLITA: Deutsche Raketen in Polen 

Noch am Wochenende habe der Chef der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) im südpolnischen Kędzierzyn-Koźle traditionell Deutschland-kritische Töne von sich gegeben, schreibt in einem Kommentar in der Tageszeitung Rzeczpospolita Jędrzej Bielecki. Jarosław Kaczyński habe, wie oft zuvor, die Meinung geäußert, dass die Bundesrepublik das Funktionieren der Europäischen Union zu dominieren versuche. Er habe auch erneut darauf aufmerksam gemacht, Berlin sei dafür mitverantwortlich, dass bislang kein Geld vom Wiederaufbaufonds nach Polen geflossen sei. Zum Glück, so Bielecki, halte sich die Kritik noch in Grenzen. Die kritische Einstellung gegenüber der deutschen Politik sei teilweise einfach politisches Spiel. Nach sieben Jahren der PiS-Regierung gäbe es in den deutsch-polnischen Beziehungen einen wichtigen gemeinsamen Nenner: und zwar die Verteidigung vor der Bedrohung aus dem Osten.

Bereits am Montag habe Polen das Angebot aus Deutschland begrüßt, dem Land mit einem  Patriot-Abwehrsystem zu helfen. Polens Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak habe gesagt, er habe den Vorschlag mit großer Zufriedenheit zur Kenntnis genommen und wolle vorschlagen, das Patriot-System in der Nähe von Polens Grenze zur Ukraine zu stationieren. Grund für die angebotene Hilfe sei der Raketenangriff, bei dem vor einer Woche in der Nähe zur ukrainischen Grenze zwei Polen getötet worden seien.

Die deutsche Initiative sei kein Versuch, einen Neuanfang in den deutsch-polnischen Beziehungen zu starten, schreibt Bielecki weiter. Denn Berlin setze sich in der Tat sehr stark für einen prinzipiellen Umgang mit der Frage der Rechtsstaatlichkeit in Polen ein. Dennoch sei die Stärkung der polnischen Luftabwehr dringend notwendig, erklärt die Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht. Polen sei Deutschlands Freund, Verbündeter und als Nachbar der Ukraine besonders exponiert, meinte die deutsche Politikerin.

Geht es nach Jędrzej Bielecki befürchte Lambrecht aber in erster Linie, dass die Nato, also auch Deutschland in einen Krieg mit Russland hineingezogen werden könnte. Deutschland könnte sein Angebot übrigens noch ausweiten. Man ziehe sogar die Versetzung von Bundeswehr-Einheiten nach Polen in Erwägung. Deutsche Soldaten würden zum Beispiel seit Langem in Litauen stationieren. Für die polnische Regierung wäre dies aber wohl zu viel. Es sei denn, die Kriegshandlungen in der Ukraine würden einen noch dramatischeren Verlauf einnehmen, schreibt der Publizist Jędrzej Bielecki in der Tageszeitung Rzeczpospolita. 

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Für Polen beginnt die WM 

Für Mexiko und Polen gehe es beim Auftakt-Duell der Gruppe C direkt um alles. Es sei schon so etwas wie ein kleines Endspiel in der Gruppe C. Denn dort habe Saudi-Arabien wohl nur theoretische Chancen aufs Weiterkommen - und oben throne über allen Argentinien als Favorit auf den Gruppensieg.

Bei Polen sei der Schlüssel zum Erfolg recht schnell gefunden worden: Mit Robert Lewandowski stehe einer der besten Stürmer der Welt in der Formation. Beim Turnier in Russland habe Lewandowski jedoch kaum eine Rolle gespielt. In den meisten Spielen blieb er unauffällig, er habe vergebens auf Zuspiele seiner Kollegen gewartet und das Turnier folglich ohne eigenen Treffer beendet. Auch bei der WM in Japan und Südkorea und später in Deutschland haben die Weiß-Roten ihr Auftaktspiel verloren. Genauso übrigens wie die zweite Partie. Das dritte Spiel habe die Mannschaft dann meistens überraschend gewonnen, sei aber aus den Turnieren ausgeschieden. Diesmal habe die Mannschaft um Star-Stürmer Lewandowski die Chance ihr erstes Spiel einer WM-Gruppenphase im 21. Jahrhundert zu gewinnen, lesen wir in der Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna. 

SUPER EXPRESS: Geteilt oder vereint? 

In einem Gespräch mit dem Blatt Super Express analysiert der Politikwissenschaftler, Professor Antoni Dudek, die politische Situation in Polen ungefähr ein Jahr vor den Parlamentswahlen. Die entscheidende Frage laute: in welcher Konstellation die Opposition zu den Wahlen gehen werde. Während Kaczyński nur sein Verhältnis mit dem Justizminister Ziobro klären müsse, sollte die Opposition endlich den Entschluss fassen, ob sie als ein vereinter Block oder doch als mehrere separate Gruppierungen den politischen Kampf mit den Regierenden aufnehmen werde.

Wenn man die politische Szene in Polen beobachte, dann sehe man auf der einen Seite Jarosław Kaczyński. Man könne seine Ansichten teilen oder auch nicht, aber die Lage sei klar, man wisse, wer die Macht in der Hand habe. Wenn man aber auf der anderen Seite auf die oppositionellen Politiker schaue, sei es unklar, wer nach den Wahlen regieren würde. Zwar scheine Donald Tusk den größten Einfluss in dem Oppositionslager zu haben, ob es ihm aber gelingen werde, sich mit den Anführern anderer oppositionellen Parteien zu verständigen, sei fraglich. Dabei sei eine gemeinsame Liste der Oppositionsparteien die einzige Chance, die PiS-Partei zu besiegen, meint der Politikwissenschaftler, Professor Antoni Dudek im Gespräch mit Super Express.


Jakub Kukla