Deutsche Redaktion

Militärobjekt nahe Bydgoszcz: "Ist im Dezember eine russische Rakete in Polen eingeschlagen? 

08.05.2023 12:18
Aus den Worten des Premierministers lässt sich schlussfolgern, dass in der Nähe von Bydgoszcz im Dezember ein russischer Marschflugkörper eingeschlagen sein könnte, schreibt in seinem Kommentar für Dziennik/Gazeta Prawna der Publizist Zbigniew Parafianowicz. 
Premier: poleciłem szefowi MON nadzór nad dochodzeniem ws. obiektu znalezionego pod Bydgoszczą
Premier: poleciłem szefowi MON nadzór nad dochodzeniem ws. obiektu znalezionego pod BydgoszcząForum/KACPER PEMPEL

Rzeczpospolita: Hat im Dezember eine russische Rakete in Polen eingeschlagen? 

Aus den Worten des Premierministers lässt sich schlussfolgern, dass in der Nähe von Bydgoszcz im Dezember ein russischer Marschflugkörper eingeschlagen sein könnte, schreibt in seinem Kommentar für Dziennik/Gazeta Prawna der Publizist Zbigniew Parafianowicz. Folglich so der Autor, hätten wir es im Dezember, nicht mit einem, sondern mit zwei Raketeneinschlägen auf polnischem Staatsgebiet im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine zu tun gehabt. Der zweite Marschflugkörper in Przewodów, der zwei Menschen das Leben gekostet habe, sei sofort eingesammelt und gründlich untersucht worden. Das Fazit sei gewesen, dass es sich um Überreste einer ukrainischen S300-Flugabwehrrakete handelte. Der Fund in Bydgoszcz, von dem die Medien vergangene Woche berichteten, so der Autor weiter, könnte wiederum erklären, wieso Ukraines Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj bis heute nicht von der These abgerückt sei, dass auch ein russischer Marschflugkörper in Polens Luftraum eingedrungen ist. Die Ukrainer, erinnert Parafianowicz, hätten noch im Januar unterstrichen, dass sie an ihrer Hypothese festhalten und ihrer Enttäuschung Ausdruck gegeben, dass Polen diese sofort in Frage gestellt habe. Der Fund in Bydgoszcz einige Monate später zeige, dass beide Seiten Recht gehabt haben können. Er werfe auch einige Fragen an die polnischen Behörden auf. Erstens: Wieso sei die Öffentlichkeit nicht schon im Dezember darüber informiert worden, dass in Richtung Bydgoszcz ein nicht identifiziertes Objekt fliegt und wieso sei für die 300 Tausend Einwohner der Stadt, in der unter anderem auch ein NATO-Schulungszentrum seinen Sitz habe, kein Alarm ausgerufen worden. Zweitens: Wieso seien die Überreste des Objekts erst vier Monate später gefunden worden? Drittens: Wieso habe das Militär nicht systematisch das ganze Gebiet, auf dem der Einschlag des Objekts, das unter anderem von F-35-Flugzeugen gesichtet wurde, erwartet wurde, durchkämmt. Viertens: Wieso sei die Öffentlichkeit bis heute nicht über die Herkunft des Objekts informiert worden? Fünftens: Wenn es sich um eine russische Rakete handelte, wie werde Polen und die NATO reagieren? Sechstens: sollten die polnischen Bürger künftig auch erwarten, dass ein fremder Flugkörper in unserem Luftraum keinen Luftalarm auslöst? Und siebtens: Hat der Fund in Bydgoszcz Einfluss auf die Haltung der polnischen Regierung gegenüber der Darstellung der Ukrainer vom Dezember? 

Die Tatsache, dass es keine Explosion und keine Opfer gegeben habe, sei keine Grundlage dafür, den Vorfall zu verschweigen. Wenn über Polen tatsächlich ein russischer Marschflugkörper kreiste - ob bewaffnet oder nicht sei zweitrangig - dann sollte die Regierung wenigstens einen Teil der Zweifel ausräumen, so Zbigniew Parafianowicz in Dziennik/Gazeta Prawna.