Deutsche Redaktion

Polen zwischen Evakuierung und Urlaub

10.03.2026 10:38
Während die polnische Regierung Staatsbürger aus dem Nahen Osten ausfliegt, starten gleichzeitig weiterhin Linienflüge aus Polen in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate. Und die sind bei Weitem nicht leer. Außerdem: Wird in Polen zu emotional über den Krieg im Nahen Osten gesprochen? Und: Schülerprojekt aus Lublin geht aktiv gegen Vorurteile gegenüber anderen Kulturen vor. Mehr dazu in der Presseschau.
Dubaj
DubajReuters

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Polen zwischen Evakuierung und Urlaub

Während die polnische Regierung Staatsbürger aus dem Nahen Osten ausfliegt, starten gleichzeitig weiterhin Linienflüge aus Polen in Richtung der Vereinigten Arabischen Emirate. Trotz Warnungen des Außenministeriums und europäischer Luftfahrtbehörden sind die Maschinen keineswegs leer, stellt die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna fest.

Wie das Blatt erinnert, bringen polnische Regierungsflugzeuge derzeit Bürger aus dem Nahen Osten in Sicherheit. Die nationale Fluggesellschaft LOT organisiert zudem Sonderflüge aus Schardscha in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Regierungsmaschinen fliegen unter anderem nach Riad in Saudi-Arabien und nach Maskat im Oman. Am Montag erreichten mehrere Evakuierte Polen, nachdem sie zunächst auf dem Landweg aus den Emiraten in den Oman gelangt waren.

Parallel zu den militärischen Evakuierungsflügen kehren zunehmend auch reguläre Flugverbindungen zurück. Die polnische Fluggesellschaft LOT teilte jedoch mit, dass ihre Flüge nach Dubai und Tel Aviv aufgrund der angespannten Sicherheitslage weiterhin ausgesetzt bleiben. Mehrere große europäische Fluggesellschaften – darunter Lufthansa, Air France und Finnair – haben ihre Flüge nach Dubai ebenfalls eingestellt. Kleinere Unternehmen, wie der Billigflieger Flydubai, haben ihre Verbindungen aber wieder aufgenommen. Und nach Informationen der Zeitung fliegen die Maschinen keineswegs leer. In jedem Flugzeug befinden sich im Schnitt rund hundert Passagiere. Insgesamt reisen somit jede Woche mehr als tausend Menschen aus Polen in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Warum sie trotz offizieller Warnungen des Außenministeriums dorthin fliegen, hat unterschiedliche Gründe, erklärt das Blatt. Neben möglicher Leichtsinnigkeit könnte auch die steuerliche Situation eine Rolle spielen. In den Emiraten gibt es keine Einkommensteuer für Privatpersonen. Die Körperschaftsteuer wird erst ab einem Gewinn von 375.000 Dirham – umgerechnet etwa 377.000 Zloty – fällig. Um von diesen Regelungen zu profitieren, müssen allerdings zwei Voraussetzungen erfüllt werden: eine Aufenthaltsgenehmigung sowie ein Aufenthalt von über 180 Tagen pro Jahr in den Emiraten, schreibt Dziennik/Gazeta Prawna.

DO RZECZY: Mehr als ein Spiel zwischen Gut und Böse

Der außenpolitische Publizist Bartosz Kita kritisiert in der Wochenzeitschrift Do Rzeczy die emotionale und moralisch aufgeladene Diskussion über den Krieg im Nahen Osten in der polnischen Öffentlichkeit.

Nach Ansicht Kitas werde der Konflikt häufig als Kampf zwischen Gut und Böse dargestellt. Eine solche Sichtweise greife jedoch zu kurz. Staaten handelten in der internationalen Politik vor allem aus Eigeninteresse und ließen sich nicht in einfache moralische Kategorien einteilen, argumentiert der Kommentator.

Der Publizist erinnert an die langjährige Politik des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, die darauf ausgerichtet sei, die – aus seiner Sicht – iranische Bedrohung für Israel zu neutralisieren. Angesichts geschwächter iranischer Einflüsse in der Region und eines US-Präsidenten, der dieser Strategie wohlgesonnen sei, habe die israelische Regierung offenbar den Zeitpunkt für gekommen gehalten, dem Rivalen einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Der Publizist verwies zudem auf die zahlreichen Gerichtsverfahren gegen Netanjahu in Israel. Diese würden im Kriegszustand faktisch ruhen. Auch dies könne ein Motiv für das aktuelle Vorgehen sein.

Zugleich habe der israelische Regierungschef seine gesamte politische Karriere dem Ziel untergeordnet, die Sicherheit Israels zu gewährleisten. Ein entscheidender Schlag gegen die Islamische Republik Iran wäre in diesem Verständnis der Höhepunkt seiner politischen Laufbahn. Aus polnischer Sicht sei der Konflikt zwar geopolitisch interessant, zugleich jedoch weit entfernt und mit erheblichen Risiken verbunden, betonte Kita. Seiner Ansicht nach sollte sich Polen deshalb möglichst aus diesem Krieg heraushalten, schreibt Bartosz Kita in Do Rzeczy.

KURIER LUBELSKI: Schülerprojekt setzt sich gegen Vorurteile ein

Eine Gruppe von Gymnasiasten hat beschlossen, aktiv gegen Vorurteile gegenüber Menschen aus anderen Kulturen vorzugehen, berichtet Kurier Lubelski. Daraus entstand das soziale Projekt „Gemeinsame Wurzeln“, das im Rahmen der landesweiten Bildungsinitiative „Zwolnieni z Teorii“ umgesetzt wird. Ziel des Projekts ist es, Offenheit, Empathie und Dialog zwischen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Religionen zu fördern.

Die Idee entstand im Unterricht, angeregt durch einen Lehrer für Wirtschaft und Unternehmertum, der die Schüler zur Teilnahme an einem sozialen Projekt ermutigte. Obwohl an der Schule bereits seit Jahren ähnliche Initiativen stattfinden, waren sich die Jugendlichen einig, dass das Thema Vorurteile und Stereotype besondere Aufmerksamkeit verdient.

„Wir wollten ein Projekt schaffen, das tatsächlich Einfluss auf die Denkweise junger Menschen nimmt“, erklären die Mitglieder des Teams. Die Initiatoren möchten zeigen, dass Menschen trotz äußerlicher Unterschiede oft mehr Gemeinsamkeiten haben, als zunächst angenommen wird. Nach Beobachtung der Schüler treten Vorurteile besonders im Internet zutage. „Am häufigsten begegnen wir ihnen in sozialen Netzwerken, besonders in den Kommentarspalten. Aber auch im schulischen Umfeld oder in Gesprächen unter Gleichaltrigen kommen sie vor“, sagen die Schüler.

Im Rahmen der Initiative werden Bildungsworkshops und Treffen an Schulen und Universitäten organisiert. „Wir haben bereits mehrere Veranstaltungen durchgeführt und eine große Offenheit für Gespräche festgestellt. Das zeigt uns, dass das Thema gebraucht wird“, berichten die Schüler in Kurier Lubelski.

Autor: Jakub Kukla


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