ONET.PL: Umfrage sieht Bürgerkoalition klar vor PiS
Eine neue Analyse deutet auf deutliche Verschiebungen im polnischen Parteiensystem hin. Vor allem am rechten Rand könnten neue Kräfte ins Parlament einziehen – mit Folgen für mögliche Mehrheiten, stellt das Portal Onet.pl fest. Die Bürgerkoalition (KO) könnte derzeit auf rund 33 Prozent Zustimmung kommen und damit deutlich vor der konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) liegen. Nach einer Analyse des Portals käme die PiS nur noch auf etwa 26 Prozent – mehr als neun Prozentpunkte weniger als bei der letzten Parlamentswahl.
Übrigens entwickelt sich das rechte politische Lager besonders dynamisch. Auf Platz drei liege die Konföderation mit rund 13 Prozent. Auch die ultrakonservative Konföderation der Polnischen Krone des kontroversen Politikers Grzegorz Braun könnte mit fast 9 Prozent den Einzug in den Sejm schaffen. Damit würden drei Parteien aus dem rechten beziehungsweise rechtsextremen Spektrum im Parlament vertreten sein, lesen wir weiter.
Die Linke käme laut Prognose auf etwa über 6 Prozent und würde damit knapp über der Fünf-Prozent-Hürde bleiben. Mehrere Parteien der derzeitigen Regierungskoalition würden dagegen den Einzug ins Parlament verfehlen. Die mögliche Sitzverteilung würde das politische Kräfteverhältnis erheblich verändern. Damit hätte die derzeitige Regierungskoalition zu wenig Abgeordnete um eine Mehrheit im Parlament zu bilden. Vor diesem Hintergrund wird innerhalb der Regierungsparteien zunehmend über eine gemeinsame Wahlliste von Bürgerkoalition, Lewica, PSL und Polska 2050 diskutiert. Eine solche Allianz könnte rechnerisch die Chancen auf eine parlamentarische Mehrheit erhöhen. Allerdings zeigen frühere Wahlen, dass sich die Wählerunterstützung verschiedener Parteien nicht einfach addieren lässt, stellt das Portal Onet fest.
TYGODNIK POWSZECHNY: Immer mehr Polen müssen auch im Ruhestand arbeiten
Niedrige Renten und steigende Lebenshaltungskosten führen dazu, dass viele Menschen in Polen auch nach dem Renteneintritt weiter arbeiten müssen, schreibt die Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny. Roman, ein Fotograf, rechnet mit einer monatliche Rente von nur etwa 800 Złoty. Anna aus Lublin, Kulturmanagerin und Mutter von drei Kindern, erwartet rund 1500 Złoty. Beide hatten gehofft, ihren Ruhestand ruhiger gestalten zu können – inzwischen wissen sie, dass sie weiter arbeiten müssen.
Solche Fälle stehen exemplarisch für ein wachsendes gesellschaftliches Problem. Experten sprechen bereits von einer Gruppe neuer armer Rentner: Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, deren Altersbezüge jedoch nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Umfragen zufolge fürchten 63 Prozent der Polen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren, sich den Ruhestand finanziell nicht leisten zu können.
Gleichzeitig altert die polnische Gesellschaft rasch. Immer weniger Kinder werden geboren, während in vielen Branchen bereits heute ältere Beschäftigte eine zentrale Rolle spielen. In Bereichen wie Gesundheitswesen, Handel oder Bildung tragen sie wesentlich dazu bei, Personalengpässe zu überbrücken. Die Journalistin Eliza Leszczyńska-Pieniak beschreibt in der Wochenzeitung Tygodnik Powszechny, dass der Ruhestand für viele Menschen in Polen zunehmend seine traditionelle Bedeutung als Phase der Erholung verliert.
DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Bericht warnt vor wachsendem Druck auf Polens Jugend
Stress, depressive Symptome und Gewalt unter Gleichaltrigen prägen laut einer neuen Studie den Alltag vieler junger Menschen. Die Regierung kündigt eine nationale Jugendstrategie an, informiert die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene in Polen leiden unter psychischen Belastungen. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „Diagnoza Młodzieży 2026“, der im Auftrag des Bildungsministeriums erstellt wurde.
Die Studie, die Menschen im Alter zwischen 15 und 29 Jahren untersucht, zeichnet das Bild einer Generation, die häufig unter chronischem Stress, Überforderung und Zukunftsängsten leidet. Demnach leben rund 60 Prozent der Jugendlichen unter dauerhaftem Stress und fühlen sich stark erschöpft. Etwa 40 Prozent zeigen depressive Symptome, während 62 Prozent Erfahrungen mit Gewalt unter Gleichaltrigen gemacht haben. Besonders alarmierend sind auch Zahlen zu selbstverletzendem Verhalten: 17 Prozent der Befragten gaben an, sich bereits selbst verletzt zu haben.
Bildungsministerin Barbara Nowacka bezeichnete die Ergebnisse als Warnsignal. Sie kündigte an, eine nationale Jugendstrategie auszuarbeiten, die die staatliche Politik gegenüber jungen Menschen bündeln soll. Eine neue Strategie soll daher ressortübergreifend angelegt sein und noch vor Ende des Herbstes dem Ministerrat vorgelegt werden. Sie soll unter anderem Fragen der Bildung, der psychischen Gesundheit, des Arbeitsmarktes, des Wohnens sowie der digitalen Lebenswelt junger Menschen berücksichtigen.
Trotz vieler Schwierigkeiten zeigt der Bericht auch eine vorsichtig optimistische Seite: Viele junge Menschen glauben weiterhin, dass ihre Zukunft positiv verlaufen kann, schreibt Dziennik/Gazeta Prawna.
Autor: Jakub Kukla