Interia: Gigantischer Datenleak in Polen. Die wirklichen Probleme kommen noch
In Polen ist es zu dem bisher größten Cyberangriff in der Geschichte des Landes gekommen. Daten von fast 19 Millionen Polen sind durchgesickert. Mehr als jeder zweite Einwohner des Landes ist davon betroffen. Besonders brisant: Die von den Hackern gestohlenen Informationen betreffen Gesundheitsdaten. Über den Datenleak hat ein Gesundheitsportal informiert, das von den mutmaßlichen Tätern des Angriffs kontaktiert worden sei. Demnach seien diese jetzt im Besitz von 18.814.422 nationalen Identifikationsnummern PESEL. Den Vorfall gibt auch das Unternehmen MyDr bekannt. Es war das Hauptziel des Cyberangriffs.
Die Regierung versichere, dass bereits ein spezielles Verfahren eingeleitet wurde, mit dem die Bürger überprüfen können, ob ihre Daten sicher sind. Doch was kommt danach? Das Portal Interia spricht darüber mit dem Cybersicherheitsexperten Krzysztof Kaliński von der Civitas-Universität. Er betont: Einen Datendiebstahl in diesem Ausmaß hat es in Polen bislang nicht gegeben.
Die gestohlenen personenbezogenen Daten seien besonders sensibel. Neben PESEL-Nummern und Kontaktdaten umfassen sie auch medizinische Informationen. Wie der Experte erklärt, könnten sie nicht nur für Kreditbetrug, sondern auch für komplexere Angriffe genutzt werden, bei denen Informationen über den Gesundheitszustand ausgenutzt werden könnten.
Dazu gehöre auch Erpressung verschiedenster Art. Menschen leiden an unterschiedlichen Krankheiten und nehmen verschiedene Medikamente. Nicht jeder möchte, dass dies bekannt wird, lesen wir im Interview. Was geschieht nun mit den gestohlenen Informationen? „Die Hacker können die erlangten Daten auf dem Schwarzmarkt für große Summen verkaufen. Sie könnten auch versuchen, damit Kredite zu erschleichen, insbesondere bei verschiedenen Finanzinstitutionen“, erklärt der Experte.
Das bedeutet: Die Probleme für die Patienten, deren Daten gestohlen wurden, könnten erst beginnen. Wie lasse sich überprüfen, ob unsere Daten in den Händen von Kriminellen sind? Derzeit sei das nicht möglich. Vizepremierminister und zugleich Minister für Digitalisierung Krzysztof Gawkowski versichere jedoch, dass die Regierung bereits daran arbeite. Die durchgesickerten Informationen sollen in die Datenbank „Sichere Daten“ überführt werden. Dort soll jeder Bürger überprüfen können, ob auch seine Daten betroffen sind.
Defence24: Großukraine, aber ohne Polen
Ukrainische Nationalisten des Asow-Korps haben eine Karte mit neuen Grenzen der Ukiraine veröffentlicht. In den polnischen sozialen Medien sorgt diese für heftige Reaktionen. Zu Recht? Auf den Telegram-Kanälen des 3. Asow-Korps wurde eine Fotoreportage über den Besuch des neuen Chefs des ukrainischen Generalstabs, Jewhenij Chmara, veröffentlicht. Für Kontroversen sorge die Karte, vor deren Hintergrund die Verleihung von Auszeichnungen stattfand. Sie zeige die Ukraine in den Grenzen der sogenannten „Großukraine“, schreibt das Portal Defence24.
Dabei handelt es sich um eine nationalistische und geopolitische Vorstellung von der Vereinigung aller Gebiete, die von Nationalisten als historisch oder ethnisch ukrainisch betrachtet werden, in einem Staat. Das Konzept entstand an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Wie wir lesen, entspreche es heute zwar nicht der offiziellen Außenpolitik Kiews. Es werde jedoch von radikalen nationalistischen Gruppierungen und zu Propagandazwecken genutzt.
Dem Konzept zufolge sollten die Grenzen der heutigen Ukraine um Gebiete benachbarter Staaten erweitert werden, in denen im Laufe der Jahrhunderte ukrainisch- oder ruthenischsprachige Bevölkerungsgruppen lebten. Die Gebietsansprüche betreffen Russland, Belarus, Polen, die Slowakei, Moldau und Rumänien.
Die ukrainischen Gebietsansprüche sorgen zu Recht für Kontroversen, schreibt das Portal. Allerdings weise die erwähnte Karte eine Besonderheit auf. Beim Abgleich der Asow-Karte mit den Karten von Google Maps sei eines auffallend: Während die Karte Gebietsansprüche gegenüber Russland und Belarus darstelle, decken sich die Konturen der westlichen Grenze der Ukraine mit der heutigen Demarkationslinie. Ob dies beabsichtigt war, bleibe unklar, lesen wir.
Es sei auch eine Formulierung unter der Karte zu sehen: „Brüder, lasst uns zum blutigen Kampf antreten, vom San bis zum Don“ als Bezeichnung der Grenzen der Ukraine. Diese Worte seien bereits im ursprünglichen Text der ukrainischen Hymne von 1863 verfasst worden. Es sei daher keine neue Erscheinung, dass Teile des ukrainischen nationalistischen Spektrums polnische Gebiete als historisch ukrainisch betrachten, so das Portal.
Aus irgendeinem Grund, heißt es weiter, scheinen die Asow-Nationalisten mit ihrer Karte offenbar den territorialen Konflikt mit Staaten, gegen die die Ukraine keinen Krieg führt, nicht weiter verschärfen zu wollen. Dennoch müsse man bedenken, dass es in der Ukraine zahlreiche nationalistische Gruppierungen gebe, die jeweils eigene Vorstellungen und Pläne für die Zukunft des Landes haben.
Die Asow-Karte werde nun von prorussischen und antukrainischen Kreisen verbreitet, die damit die Spannungen zwischen Polen und Ukrainern weiter verschärfen wollen. Die Karte zeige jedoch auch, dass die ukrainischen Nationalisten zwar gegenüber den Russen einen begründeten Hass empfinden, gegenüber ihren westlichen Nachbarn, darunter Polen, aber keinen offenen Wunsch nach einer Revision der Grenzen erkennen lassen, urteilt Defence24 in zu der Angelegenheit.
DGP: Selenskij will Ansehen der Ukraine in Polen verbessern
Die ukrainische Regierung soll ein spezielles Projekt für Polen vorbereiten. Das Büro von Präsident Wolodymyr Selenskyj will dafür mit einer externen PR-Agentur zusammenarbeiten. Gemeinsam soll ein Maßnahmenplan in mehreren Bereichen umgesetzt werden, um das Bild der Ukrainer in Polen zu verbessern. Wie die „Dziennik Gazeta Prawna“ berichtet, will die ukrainische Regierung damit den ihr wohlgesinnten Teil der polnischen Gesellschaft erreichen. Geplant seien unter anderem Maßnahmen, die über die russische Bedrohung und frühere polnisch-ukrainische Bündnisse informieren sollen. Das Büro Selenskyjs wolle demnach die Zusammenarbeit mit Unternehmen, Experten und Medien in diesem Bereich ausbauen. Gleichzeitig sollen die ukrainischen Sicherheitsdienste nach Beweisen für eine Finanzierung ukrainefeindlicher Kreise durch Russland suchen.
Ukrainische Gesprächspartner der „DGP“ erklären, Kiew habe drei Varianten für die weitere Gestaltung seiner Politik gegenüber Polen geprüft. Den Zuschlag habe der Vorschlag der stellvertretenden Leiterin des Präsidentenbüros, Iryna Wereschtschuk, erhalten. Sie soll sich für das aktive Vorgehen mit PR-Mitteln eingesetzt haben, schreibt die Zeitung. Das zweite Szenario sehe vor, die Welle der antukrainischen Stimmung passiv auszusitzen. So habe die Ukraine auf die „empörten Reaktionen“ der Polen reagiert, nachdem sie im Mai eine Militäreinheit nach den „Helden der UPA" benannt hatte.
Die dritte, wie es heißt, „hardline“ Variante sah eine Internationalisierung der Streitigkeiten und eine Einbeziehung der EU-Institutionen in Fälle antukrainischer Vorfälle in Polen vor. Dazu gehörte auch eine Beschwerde gegen Polen nach Artikel 258 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union. Von den weitaus zahlreicheren antipolnischen Vorfällen in Polen durch ukrainische Staatsbürger sei dabei keine Rede.
Die „DGP“ weist gleichzeitig darauf hin, dass die Pläne der ukrainischen Regierung durch die Agrarfrage durchkreuzt werden könnten. In dieser Woche laufen in Kiew Verhandlungen über eine Ausweitung des Transits ukrainischen Getreides durch Polen. Erste, bislang nur von ukrainischer Seite veröffentlichte Informationen über die Gespräche sollen bereits die polnischen Landwirte in Alarm versetzt haben, schreibt die Zeitung. Konkret gehe es um beunruhigende Berichte, wonach die Ukraine offenbar ein geheimes Abkommen über den Getreidetransit durch Polen anstrebe, lesen wir am Schluss in der Tageszeitung.
Wprost: Das größte Problem Russlands ist Russland selbst
Einst habet sie als Ikone des europäischen Kuschelkurses gegenüber Moskau gegolten. Bei ihrer eigenen Hochzeit tanzte sie sogar mit Wladimir Putin. Später evakuierten russische Söldner sie gemeinsam mit ihren geliebten Pferden aus dem Libanon. Heute beklage sie öffentlich den Alltag in der russischen Provinz. Die ehemalige österreichische Außenministerin kann die Tiefen der russischen Seele offenbar nicht begreifen, schreibt Jakub Mielnik in der Wochenzeitung „Wprost“.
Wie wir lesen, habe Karin Kneissl in Russland ein schweres Leben. Die Menschen in ihrem Dorf trinken sich hemmungslos zu. Selbst Mütter kauften lieber Wodka als Lebensmittel für ihre eigenen Kinder. Als sie ihr Haus renovieren ließ, das einst einem zaristischen General gehört hatte, sollen örtliche Handwerker sie ausgenommen und wie einen wandelnden Geldautomaten behandelt haben. Das gehe zumindest aus ihren Schilderungen gegenüber russischen Medien hervor. Dabei beklage sie sich auch über Einsamkeit und ihre mangelnden Russischkenntnisse.
Wie der Autor schreibt, seien ihre geliebten Ponys offenbar in ihrer neuen Heimat zurecht gekommen. Doch die Tiere hätten eine wahre Odyssee hinter sich. Die ehemalige Außenministerin hatte sie in den Libanon gebracht, wo Karin Kneissl Schutz vor angeblichen Verfolgungen wegen ihrer Unterstützung für Putins Russland gesucht haben soll. Von dort wurden die Pferde gemeinsam mit ihrer Besitzerin mit demselben russischen Flugzeug evakuiert, das Wagner-Söldner nach Afrika bringe, lesen wir.
Kneissl nutzte habe dabei den berüchtigten russischen Luftwaffenstützpunkt Hmeimim in Syrien benutzt und sei von dort direkt nach Russland gelangt. An einer Universität in Sankt Petersburg sei eigens für sie eine gut bezahlte Stelle geschaffen worden – am sogenannten Geopolitischen Observatorium für die Schlüsselprobleme Russlands. Nun räume sie aber selbst öffentlich ein: Das Schlüsselproblem Russlands ist Russland selbst, schreibt Mielnik im Wochnblatt.
Autor: Piotr Siemiński