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"Gefährlichster Herbst seit Kriegsbeginn", Spiel mit der Angst, Liberale wenden sich von Rechtsstaat ab

23.09.2026 13:56
Öffnet sich in Europa ein Zeitfenster der Schwäche, das der Kreml nutzen könnte? Der frühere Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, zählt auch den Streit zwischen Präsident und Premier in Polen dazu. Außerdem: Wird in Polen mit der Angst vor einem Krieg Politik gemacht? Und: Haben die Liberalen den Rechtsstaat aus dem Blick verloren? Mehr dazu in der Presseschau.
Der russische Prsident Wladimir Putin trifft sich am 22. September 2026 im Kreml in Moskau, Russland, mit Herman Gref (nicht im Bild), dem Vorstandsvorsitzenden und Geschftsfhrer der Sberbank. EPAVYACHESLAV PROKOFYEV  SPUTNIK  KREMLIN POOL  QUELLENANGABE ERFORDERLICH. Quelle: PAPEPA.
Der russische Präsident Wladimir Putin trifft sich am 22. September 2026 im Kreml in Moskau, Russland, mit Herman Gref (nicht im Bild), dem Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer der Sberbank. EPA/VYACHESLAV PROKOFYEV / SPUTNIK / KREMLIN POOL – QUELLENANGABE ERFORDERLICH. Quelle: PAP/EPA.EPA/VYACHESLAV PROKOFYEV / SPUTNIK / KREMLIN POOL

RZECZPOSPOLITA: Ischinger warnt vor einem gefährlichen Herbst

Der kommende Herbst könnte der gefährlichste seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine werden, schreibt die Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna unter Berufung auf Wolfgang Ischinger, den ehemaligen Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz. Als Zeichen der Schwäche, die der Kreml ausnutzen könnte, bezeichnet der deutsche Diplomat und Jurist den politischen Konflikt zwischen dem polnischen Präsidenten und dem Ministerpräsidenten.

Nach Ansicht Ischingers könnte man sich im Kreml fragen, ob sich in Europa ein Zeitfenster der Schwäche öffnet, das Russland nicht nur für Desinformation, sondern auch für militärische Drohungen nutzen könnte. Aus der Perspektive Wladimir Putins hätten die USA ihre militärischen Ressourcen im Nahen Osten eingesetzt, die Macht von Bundeskanzler Friedrich Merz werde schwächer und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron blieben nur noch wenige Monate im Amt, schreibt die Zeitung. Ischinger habe dieser Liste auch die Lage in Polen hinzugefügt. „Und vergessen Sie nicht die Uneinigkeit innerhalb der polnischen Regierung zwischen Präsident und Ministerpräsident“, sagte er. Im Kreml werde all dies sicherlich nicht als Stärkung der europäischen Abschreckungsfähigkeit wahrgenommen.

Ischinger verteidigte außerdem Merz’ Ankündigung aus dem Jahr 2025, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas auszubauen. Der Bundeskanzler hätte allerdings von Anfang an ergänzen sollen, dass Deutschland dies nicht zur Vergrößerung seiner eigenen Macht tue, sondern um seine Verpflichtungen gegenüber NATO und EU zu erfüllen. Auch ohne die AfD gebe es bei einigen Nachbarn historisch bedingte Ängste vor deutscher militärischer Macht, die teilweise von interessierten Seiten geschürt würden. Die Bundesregierung müsse dies ernst nehmen und entsprechend sensibel vorgehen, sagte Ischinger.

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Das Spiel mit der Angst

In den vergangenen Wochen haben sich Ereignisse gehäuft, die Anlass zur Sorge um die Sicherheitslage geben und die Frage aufwerfen, ob Polen möglicherweise am Vorabend eines Krieges steht. Für zusätzliche Unsicherheit über die Entwicklung an der polnischen Ostgrenze sorgte vor allem eine mündliche Information, die CIA-Chef John Ratcliffe dem Koordinator der polnischen Geheimdienste, Tomasz Siemoniak, übermittelte. Der Inhalt ist nicht bekannt. Wie die Tageszeitung Rzeczpospolita erfuhr, erhielt Polen keinen schriftlichen Bericht. Ministerpräsident Donald Tusk warnte im Sejm vor dem realen Risiko, dass Drohnen oder andere Flugkörper in das Gebiet eines oder mehrerer NATO-Staaten an der Ostflanke eindringen und dort Schäden anrichten könnten.

Experten sind sich darin einig, dass die Bedrohung durch Russland ein wirksames politisches Instrument darstellt. General a. D. Jarosław Gromadziński, ehemaliger Kommandeur des Eurokorps fragt: Wenn ein führender Politiker von einer Bedrohung und einem russischen Angriff auf Polen spricht, was hat die Regierung dann konkret unternommen? Wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt, eine Mobilmachung angeordnet oder mit militärischer Ausbildung begonnen? Wurde die Wirtschaft auf einen Kriegsmodus umgestellt und wurden belastbare Bündnisse geschlossen? Seiner Ansicht nach gebe es bislang vor allem PR-Maßnahmen, die auf die aktuelle politische Lage ausgerichtet seien.

Auch Grzegorz Matyasik, ehemaliger stellvertretender Direktor des Regierungszentrums für Sicherheit, weist darauf hin, dass es zwar zahlreiche Warnsignale gebe, sich die polnische Innenpolitik aber weiterhin vor allem auf aktuelle Konflikte und kurzfristige Perspektiven konzentriere. „Das Problem ist jedoch strategischer Natur: Wie soll man angesichts eines zerfallenden internationalen Sicherheitssystems handeln?“, fragt Matyasik in der Rzeczopspolita.

WIĘŹ.PL: Wenn Liberale den Rechtsstaat aus dem Blick verlieren

Das Monatsmagazin Więź beschäftigt sich mit der Frage, wie die Liberalen ihre einstige Unterstützung für den Rechtsstaat aufgegeben haben. Im Mittelpunkt steht die Ernennung von Maciej Berek, einem ehemaligen Regierungsmitglied und engen Mitarbeiter von Ministerpräsident Donald Tusk, zum Richter am Verfassungsgericht. Damit werde eine Person berufen, die sowohl eng mit dem Parteichef verbunden als auch seit Jahren in den Regierungsstrukturen verankert sei. Berek hatte bereits unter den früheren Regierungen wichtige Regierungsfunktionen inne.

Noch problematischer sei, dass die derzeitige Situation keineswegs ein Einzelfall sei. Auch die früheren Ernennungen von Verfassungsrichtern in der laufenden Legislaturperiode seien nach einem ähnlichen Muster erfolgt. Dies gelte insbesondere für die Wahl von sechs Richtern im März dieses Jahres. Zwar befanden sich unter den damaligen Kandidaten keine amtierenden Regierungsmitglieder. Der Auswahlprozess selbst – mit einer intransparenten, rein politischen Vorauswahl, einem extrem schnellen Verfahren, dem Fehlen einer ernsthaften parlamentarischen Debatte und einer instrumentellen Behandlung des Parlaments – habe jedoch den Weg für die jetzige Situation bereitet. Zwischen der Bekanntgabe der Kandidatennamen und ihrer Abstimmung im Sejm seien lediglich rund 48 Stunden vergangen.

Bemerkenswert sei, dass die von der Regierungskoalition im März 2024 verabschiedete Neuregelung des Verfassungsgerichts eigentlich in eine andere Richtung ging. Das Gesetz griff einige der genannten Forderungen auf: Unter anderem sah es eine Beteiligung gesellschaftlicher Akteure vor und stärkte die Rolle des Sejm bei der Auswahl neuer Verfassungsrichter. Gleichzeitig zeige sich, dass die Praxis der heutigen Regierungsparteien einen anderen Weg eingeschlagen habe. Dies werfe die Frage auf, ob die Verantwortlichen 2024 überhaupt verstanden hätten, was sie damals beschlossen hatten – und ob ihnen tatsächlich an einer Wiederherstellung der Standards eines demokratischen Rechtsstaates gelegen sei, lesen wir in Więź.

Autor: Jakub Kukla


Rechtsstaatlichkeit: Regierung bringt Gesetz zur Klärung des Richterstatus auf den Weg

12.12.2025 10:31
Vorgesehen ist eine Einteilung der mit Beteiligung der derzeitigen Landesjustizrats ernannten Richter in drei Gruppen: die grüne, gelbe und rote. Grundsätzlich sollen bestehende Urteile gültig bleiben.

Billiger tanken – „und trotzdem keine Freude"? Und: Ein Minister fürs Verfassungsgericht

18.08.2026 17:00
Seit Montag ist der Sprit in Polen wieder günstiger – die Rzeczpospolita nennt gleich sechs Gründe, warum sie das Regierungsprogramm trotzdem für einen Fehler hält. Außerdem: Darf ein eben noch amtierender Minister ins Verfassungsgericht einziehen, wenn nur so der Stillstand am Tribunal zu durchbrechen ist – oder bricht die Koalition damit genau jene Regeln, die sie selbst aufstellen wollte? Und: Warum arbeiten immer weniger Ärzte für die staatliche Krankenkasse, obwohl immer mehr Hochschulen Medizin anbieten? Mehr dazu in der Presseschau.

Am Vorabend des Jahrestages des Überfalls auf Polen drohte Russland Warschau mit Zerstörung

17.09.2026 13:20
  Das imperiale Massenbewusstsein Russlands nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nicht nur durch die Idee einer bewaffneten "internationalistischen Hilfe" neu belebt, sondern auch durch die Überzeugung vom ewigen Recht der "Siegermacht", sich in die Angelegenheiten der Nachbarn einzumischen. Das imperiale Bewusstsein kann „Politik und öffentliche Meinung“ noch lange nach dem Untergang eines Imperiums prägen. Die Lage der Ukraine wird kritisch. Die derzeitige Taktik Russlands im Krieg gegen ihren Nachbarn bestehe angesichts der faktischen Erstarrung der Front darin, den „Schwerpunkt“ des Krieges gezielt in den ukrainischen Hinterraum zu verlagern. Die Eskalationsstrategie Moskaus könnte auch die Nachbarstaaten treffen. Und: Die Aktivitäten Russlands rücken immer näher an die polnische Grenze. Sollten die Polen heute stärker als bisher eine direkte Bedrohung für Polen befürchten?

AfD-Abgeordneter Lucassen sieht keine russische Verhandlungsbereitschaft

18.09.2026 06:54
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Lucassen sieht derzeit keine Anzeichen für eine Bereitschaft Russlands zu Verhandlungen über den Krieg gegen die Ukraine. Nach einem Besuch in Kiew sagte Lucassen in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“, angesichts der russischen Angriffe und des hybriden Vorgehens gegen Nato-Staaten gebe es berechtigte Zweifel am Verhandlungswillen Moskaus.

Vize-Verteidigungsminister zu US-Präsenz: „Polen rechnet langfristig mit 15.000 Soldaten.“

21.09.2026 10:56
Die geplante Präsenz soll aus 4.000 bis 5.000 Soldaten an einem festen Standort und bis zu 11.000 rotierenden Kräften bestehen. Für die Basisvorbereitung sind mehr als 15 Milliarden Złoty vorgesehen.

Sikorski über den Friedensnobelpreis für Trump: „Ich werde ihn selbst nominieren“

22.09.2026 10:50
„Wenn Präsident Trump das neue Sanktionsgesetz anwendet, könnte er zu einem ehrenvollen Ende des Krieges in der Ukraine beitragen“, sagte Vizepremier und Außenminister Radosław Sikorski bei seinem Besuch in den USA. Er kündigte an, Donald Trump für den Friedensnobelpreis zu nominieren, sollte ihm das gelingen.