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Kasparow warnt vor einem Deal mit Putin

12.10.2026 11:00
In der Rzeczpospolita warnt der russische Oppositionelle Garri Kasparow vor einer Annäherung Europas an Wladimir Putin und zweifelt an den langfristigen Sicherheitsgarantien der USA. Das Portal Edukacyjny beschäftigt sich mit der zunehmenden Jugendgewalt an polnischen Schulen und fragt nach der Verantwortung von Eltern, Erziehung und digitalen Medien. Das Monatsmagazin Więź widerspricht der These, dass mangelnde Disziplin die Ursache solcher Gewalttaten sei, und verweist auf Hinweise auf häusliche Gewalt in den Familien der Tatverdächtigen. Drei Beiträge über die Bedrohung durch Russland, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage, wie Gewalt entsteht und verhindert werden kann.
Garri Kasparow dla Polskiego Radia: najważniejsze jest zwycięstwo Ukrainy
Garri Kasparow dla Polskiego Radia: najważniejsze jest zwycięstwo UkrainyMindaugas Kulbis/Associated Press/East News

RZECZPOSPOLITA: Kasparow warnt vor einem Deal mit Putin

Der frühere Schachweltmeister und russische Oppositionelle Garri Kasparow warnt vor einer Annäherung europäischer Politiker an Wladimir Putin. Während Polen, die baltischen Staaten und Skandinavien die Gefahr aus Russland erkannten, unterschätze man sie weiter westlich, sagte er der Rzeczpospolita. Scharfe Kritik übte Kasparow an der Vereinbarung zwischen US-Präsident Donald Trump und Russland über Diesellieferungen. Trump verhalte sich wie ein Krimineller, der seinem Komplizen helfe. Die Vereinbarung verstoße gegen amerikanische Vorschriften. Auch Europas Führungskräfte kritisierte Kasparow. Im fünften Kriegsjahr wolle Europa noch immer nicht anerkennen, dass Putin nicht nur gegen die Ukraine, sondern gegen Europa Krieg führe. Sein Ziel sei es, den Kontinent in Einflusssphären aufzuteilen.

Kasparow erinnerte an Putins Ultimatum von 2021, mit dem dieser einen Rückzug der NATO auf den Stand vor 1997 forderte. Das beträfe auch Polen, das 1999 dem Bündnis beitrat. Putin habe seine Ambitionen nicht aufgegeben und strebe die Wiederherstellung russischen Einflusses in ganz Osteuropa an. Wirtschaft, Bildung, Politik und Propaganda Russlands seien heute auf den Krieg ausgerichtet. Während Polen, die baltischen Staaten und Skandinavien die Bedrohung erkannten, gewännen prorussische Kräfte auch in anderen europäischen Ländern an Einfluss – etwa die AfD in Deutschland und Marine Le Pens Lager in Frankreich. Solche Kräfte gebe es sogar in Polen und im Baltikum.

Kasparow bezweifelt, dass die USA Europa weiterhin vor Russland schützen werden. Die Hoffnung auf amerikanische Hilfe für die NATO-Ostflanke sei eine Illusion. Dass das Bündnis davor zurückschrecke, russische Raketen über ukrainischem Gebiet abzuschießen, zeige seine Schwäche. Putin könnte daraus schließen, dass die NATO nicht mehr existiere. Eine Veränderung der Machtverhältnisse im Kreml sei seiner Ansicht nach nur nach einer verlorenen Krieg möglich. Die Kosten eines Sieges interessierten in Russland niemanden, so Kasparow in Rzeczpospolita.

PORTAL EDUKACYJNY: Jugendgewalt – versagen Eltern und Erziehung?

Mehrere jüngste Vorfälle, darunter Angriffe mit gefährlichen Gegenständen an Schulen, haben in Polen eine Debatte über zunehmende Jugendgewalt ausgelöst. Experten sehen mögliche Ursachen in fehlenden Regeln, mangelnder Verantwortung und dem Einfluss digitaler Medien, schreibt Portal Edukacyjny. Untersuchungen des Instituts für Bildungsforschung deuten darauf hin, dass Jugendliche sich mitunter ungestraft fühlen und klare Verhaltensregeln vermissen. Gewaltmuster aus dem Internet würden zunehmend in den Schulalltag übertragen.

Auch Veränderungen in der Erziehung spielten eine Rolle, meint Marta Chodkiewicz, Erzieherin und Pädagogin. Eltern stellten immer weniger Anforderungen und gewährten zugleich mehr Freiheiten, ohne Konsequenzen durchzusetzen. Viele Jugendliche seien sich selbst überlassen und suchten im Internet Anschluss, wo sie mitunter manipuliert würden, lesen wir. Die Verantwortung allein den Kindern zuzuschieben, greife selbstverständlich zu kurz. Eltern und Erzieher müssten ihnen vermitteln, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. Die Erziehung beginne zu Hause; Schulen könnten sie lediglich unterstützen. Eltern sollten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und darauf achten, mit wem diese im Netz kommunizieren, sagt Chodkiewicz.

Auch der Politiker, Lehrer und Unternehmer Artur Dziambor sieht mangelnde gemeinsame Zeit als Problem. Eltern sollten ihren Kindern mehr Aufmerksamkeit schenken, selbst wenn sie überzeugt seien, bereits alles für sie zu tun. Die Realität sehe oft anders aus. Ein vollständiger Ausschluss digitaler Technologien sei allerdings keine Lösung. Entscheidend sei, Kindern die richtigen Werte zu vermitteln – etwas, das Erwachsene häufig vernachlässigten. Klare Regeln zu Hause, begrenzte Bildschirmzeiten und echtes Interesse am Alltag der Jugendlichen könnten Gewalt vorbeugen. Untersuchungen zufolge verringerten verlässliche Bezugspersonen und offene Kommunikation das Risiko problematischen Verhaltens erheblich.

WIĘŹ: Gewalt in der Erziehung verhindert keine Gewalt

Nach zwei brutalen Angriffen an polnischen Schulen wird im Internet über die Ursachen diskutiert. Ein 19-Jähriger verletzte in Ostrołęka neun Menschen; ein 15-Jähriger tötete in Leszczydół-Nowiny eine 37-jährige Schulmitarbeiterin und verletzte zwei weitere Personen. Eine Autorin des Monatsmagazins „Więź“ kritisiert, dass viele Menschen vorschnell eine zu nachsichtige Erziehung verantwortlich machen, ohne die familiären Hintergründe zu kennen.

In sozialen Medien ist von fehlenden Strafen und mangelnder Autorität die Rede. Manche Kommentatoren sehnen sich sogar nach körperlicher Züchtigung zurück. Doch die bekannten Fakten zeichnen ein anderes Bild. Der Vater des 19-Jährigen wurde wegen Misshandlung seiner Familie, darunter seines Sohnes, zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung zog die Mutter mit den Kindern aus der gemeinsamen Wohnung aus. Die Familie erhielt psychologische Unterstützung und Hilfe von einer kommunalen Einrichtung. Auch Schwester des 15-Jährigen berichtete von körperlicher Gewalt durch den Vater und regelmäßigen Streitigkeiten zu Hause. Für die Familie sei ein sogenanntes „Blaues-Karte“-Verfahren zum Schutz vor häuslicher Gewalt eingeleitet worden. Später habe der Vater aufgehört, die Kinder zu schlagen.

Nichts deutet darauf hin, dass beide Jugendlichen ohne Grenzen aufgewachsen wären. Vielmehr gibt es Hinweise auf häusliche Gewalt – im ersten Fall durch ein Gerichtsurteil belegt, im zweiten durch Aussagen eines Familienmitglieds geschildert. Wer diese Tatsachen anführt, wird schnell beschuldigt, die Taten entschuldigen zu wollen. Dabei gehörte gerade jene Gewalt, nach der manche Kommentatoren als Erziehungsmittel verlangen, offenbar bereits zum Alltag der beiden Familien. Sie hat die Taten nicht verhindert, lesen wir in Więź.

Jakub Kukla