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Präsident Nawrocki – „Russland bleibt eine Bedrohung“

13.10.2026 11:30
Die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ veröffentlicht ein Interview mit Präsident Karol Nawrocki über die Bedrohung durch Russland, die Zusammenarbeit mit der Regierung in Sicherheitsfragen und die Rolle amerikanischer Truppen in Polen. Die Zeitung „Dziennik Gazeta Prawna“ berichtet über veränderte Reisegewohnheiten der Polen: Kürzere Urlaube innerhalb Europas werden immer beliebter. Ein weiterer Kommentar in der „Rzeczpospolita“ beschäftigt sich mit den Schwächen des öffentlichen Bildungssystems und der Frage, ob Bildung weiterhin sozialen Aufstieg ermöglichen kann.
Polands President Karol Nawrocki
Poland's President Karol NawrockiPAP/Leszek Szymański

RZECZPOSPOLITA: Nawrocki – „Russland bleibt eine Bedrohung“

In einem Interview mit der Tageszeitung Rzeczpospolita betont der polnische Präsident Karol Nawrocki, Russland bleibe eine Bedrohung für Polen. Um einen Krieg zu verhindern, müssten Präsident und Ministerpräsident die Armee stärken, internationale Beziehungen pflegen und die wichtigsten Verbündeten nicht vor den Kopf stoßen. Vor allem dürfe man nicht aus parteipolitischen Eigeninteressen Angst verbreiten. Das sei unverantwortlich und könne dem Gegner in die Hände spielen. Er hoffe, dass auch Ministerpräsident Donald Tusk nach Jahren freundschaftlicher Kontakte zu Putin seine Naivität gegenüber Moskau abgelegt habe.

Ob er mit Tusk im Dialog stehe, um einen Krieg zu verhindern wird auch Nawrocki gefragt. Bei Sicherheitsfragen arbeiteten sie durchaus zusammen, erklärt der Präsident. Trotz seiner Kritik an Tusk könnten beide bei einer tatsächlichen Gefahr miteinander sprechen. Auch eine dauerhafte US-Militärbasis in Polen ist Thema des Interviews. Die wichtigste Sicherheitsgarantie sei die polnische Armee, die Präsenz amerikanischer Truppen eine zusätzliche Absicherung, so Nawrocki. Diese Einschätzung teilten auch die Staaten an der NATO-Ostflanke. Kein verantwortungsbewusster europäischer Politiker könne die Bedeutung amerikanischer Truppen für die Sicherheit seines Landes bestreiten. Je mehr US-Soldaten in Polen stationiert seien, desto besser. Sie würden von der Bevölkerung herzlich aufgenommen. Gegenüber Donald Trump habe er betont, die Amerikaner seien die ersten ausländischen Soldaten, die Polen mit offenen Armen empfange. Frühere Truppen seien von Staaten gekommen, gegen die Polen Krieg geführt habe – die amerikanischen Soldaten dagegen habe man selbst eingeladen.

 

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Polen fliegen immer öfter – und kürzer

Polen belegt in der EU Platz drei beim Wachstum des Flugverkehrs gegenüber der Zeit vor der Pandemie, lesen wir in der Tageszeitung Dziennik/Gazeta Prawna. Gleichzeitig werden kürzere Reisen immer beliebter. Besonders gefragt sind europäische Ziele wie Italien, Spanien und Griechenland. Der Flugverkehr nimmt in ganz Europa zu. Doch mehr Flüge bedeuten nicht unbedingt, dass die Menschen weiter reisen. Auswertungen von Reiseversicherungsberechnungen zeigen, dass mehr als 70 Prozent der Anfragen Reisen innerhalb Europas betreffen. Fast jede dritte entfällt auf eines von drei Ländern: Italien, Spanien oder Griechenland. Europäische Ziele gewinnen damit weiter an Bedeutung, während Fernreisen leicht an Attraktivität verlieren.

Auch die Reisedauer verändert sich. Immer mehr Polen möchten lieber kürzer verreisen, dafür aber mehrmals im Jahr. Besonders gefragt sind Versicherungen für vier- oder fünftägige Aufenthalte. Das deutet auf einen wachsenden Trend zu Städtereisen, verlängerten Wochenenden und zusätzlichen Kurzurlauben hin. Knapp sieben von zehn Berechnungen betreffen Einzelreisende oder Paare.

Im Sommer verschieben sich die Zahlen: Im Juli entfielen mehr als zwei von fünf Anfragen auf Reisen mit mindestens drei Personen. Das unterstreicht den familiären und gemeinschaftlichen Charakter der Ferienzeit. Insgesamt zeichnet sich ein klarer Trend ab: lieber mehrere kürzere Reisen im Jahr als ein einziger langer Urlaub, schreibt Dziennik/Gazeta Prawna.

 

RZECZPOSPOLITA: Der soziale Aufstieg bleibt auf der Strecke

Die Proteste von Schülern in den französischen Vorstädten haben auf erstaunliche Weise die intellektuelle Schwäche des polnischen Weltbildes offengelegt, schreibt Tomasz Derecki in der Tageszeitung Rzeczpospolita. Während die Proteste deutlich machten, wohin die Zerstörung des Bildungssystems im Namen ideologischer Fantasien führt, sahen Internet-Influencer und Kommentatoren darin vor allem einen Kulturkampf der zweiten und dritten Einwanderergeneration. Denn mit dem Thema Migration lässt sich mehr erreichen als mit Bildungsfragen.

Dabei müsste man zunächst erkennen, dass die Jugendlichen aus den französischen Vorstädten auf dieselben Probleme hinweisen, die auch das polnische Bildungswesen zugrunde richten: mangelnde Investitionen, Lehrermangel und schlechte Leistungen, die jungen Menschen die Chance auf ein besseres Leben nehmen. Wir sollten daher nicht nach Unterschieden suchen, sondern nach Gemeinsamkeiten. Diese Parallelen sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Politik, die im Westen seit Jahren konsequent verfolgt wird. Das öffentliche Bildungswesen werde dabei zu einer Art psychologisch-pädagogischer Betreuungseinrichtung degradiert, nach dem Motto: Jeder macht, was er will.

Dabei wurde denn öffentliche Bildung als Instrument des sozialen Aufstiegs geschaffen – als eine Art Sicherheitsventil für die unteren Gesellschaftsschichten. Wer als Bauer eine höhere Bildung erlangte, konnte in die Intelligenz aufsteigen. Ein erheblicher Teil der heutigen polnischen Eliten verdankt seinen gesellschaftlichen Aufstieg genau diesem Weg. Doch dieser Zugang wird zunehmend versperrt. Damit Bildung diese Funktion erfüllen kann, muss sie anspruchsvoll sein. Wäre sie zu leicht, könnte sie nicht als verlässlicher Weg des sozialen Aufstiegs gelten. Je niedriger die Anforderungen an Schüler öffentlicher Schulen sind, desto mehr verliert das öffentliche Bildungswesen seinen gesellschaftlichen Wert.

Die Folge ist eine Kastengesellschaft: Auf der einen Seite stehen die Eliten, auf der anderen die arbeitende Unterschicht. Wenn das öffentliche Bildungswesen zerstört wird, ist ein Aufstieg von der einen in die andere Gruppe kaum noch möglich, lesen wir in Rzeczpospolita.

Jakub Kukla