Die Folgen der US-Zwischenwahlen und die Zukunft der amerikanischen Außenpolitik analysiert Marek A. Cichocki in einem Kommentar für die „Rzeczpospolita“. Sein Fazit: Wer nach dem Wahlsieg der Demokraten auf eine Beruhigung der politischen Lage oder eine Rückkehr zu den „guten alten Zeiten“ hofft, könnte bitter enttäuscht werden.
Die Niederlage Donald Trumps sei zwar erheblich, bedeute aber keineswegs eine grundlegende politische Wende in den Vereinigten Staaten, schreibt Cichocki. Die Zwischenwahlen entschieden weder darüber, wer Trump in zwei Jahren im Weißen Haus nachfolgen werde, noch über die Zukunft der konservativen MAGA-Bewegung.
Trump sei nicht die Ursache der gegenwärtigen Probleme Amerikas, sondern vielmehr deren Symptom. Die Vereinigten Staaten seien dabei, ihre globale Strategie grundlegend zu überdenken. Nach der Vorherrschaft im Kalten Krieg und der anschließenden Phase globaler liberaler Dominanz müsse Washington seine Ressourcen neu ordnen.
Dieser strategische Wandel vollziehe sich allerdings in einer Zeit, in der die globalen Konkurrenten des Westens immer stärker würden. Gleichzeitig verschärfe sich die ideologische Auseinandersetzung innerhalb der amerikanischen Gesellschaft. Eine Entwicklung, die sich in ähnlicher Form auch in Frankreich, Deutschland und Polen beobachten lasse.
Die Zwischenwahlen würden deshalb an den grundlegenden politischen Spannungen kaum etwas ändern. Sie eröffneten lediglich eine weitere Runde noch intensiverer Auseinandersetzungen, meint der Autor.
Einerseits deuteten sie auf ein mögliches Ende der politischen Herrschaft Trumps hin – eine Entwicklung, die insbesondere Moskau und Peking nicht gefallen dürfte. Andererseits seien die Wahlen angesichts der tiefen Krise des Westens, insbesondere Europas, von begrenzter Bedeutung.
Die entscheidende Frage sei daher nicht allein, was nach Trump komme, sondern welche neuen Ausreden man künftig finden werde, um sich nicht mit den eigentlichen Problemen des Westens auseinanderzusetzen, schreibt Marek A. Cichocki in der „Rzeczpospolita“.
Rzeczpospolita: Trumps Hochmut wurde ihm zum Verhängnis
Die Niederlage Donald Trumps ist nach Ansicht von Michał Szuldrzyński vor allem eine Folge seiner eigenen Überheblichkeit. In einem Kommentar für die „Rzeczpospolita“ schreibt der Publizist, der US-Präsident habe die Warnungen vor einem Krieg mit Iran ignoriert und geglaubt, seine Macht kenne keine Grenzen.
Szuldrzyński erinnert daran, dass Trump vor dem ersten amerikanisch-israelischen Angriff auf Iran im Juni 2025 zwei einflussreiche Vertreter der amerikanischen Rechten empfangen hatte: den Milliardär Elon Musk und den Publizisten Tucker Carlson.
Carlson habe Trump eindringlich vor einem Krieg gewarnt. „Du willst einen Krieg beginnen, der deine Regierung zu Fall bringen könnte. Wenn du dich auf einen Krieg mit Iran einlässt, wird das deine Präsidentschaft zerstören“, habe er dem Präsidenten gesagt. Die Wähler wollten keine weiteren Kriege. Sie hätten Trump gewählt, um genau das zu verhindern, erinnerte Carlson an dessen Wahlversprechen von 2016.
Trump habe diese Warnungen jedoch zurückgewiesen. Er habe sich offenbar für unbesiegbar gehalten, schreibt Szuldrzyński. Carlson sei dabei nicht der Einzige gewesen, der vor einer militärischen Eskalation gewarnt habe.
Drei Monate später sei Trump schließlich gemeinsam mit Israel in einen regulären Krieg mit Iran eingetreten. Die Folgen seien gravierend gewesen: Die Schließung der Straße von Hormus, Schäden an der Energieinfrastruktur am Persischen Golf sowie massive Turbulenzen auf den internationalen Öl- und Gasmärkten. Die amerikanische Bevölkerung habe dies durch steigende Energiepreise und höhere Lebenshaltungskosten zu spüren bekommen.
Doch Trump habe sich von seinem eigenen Hochmut blenden lassen. Bei den Zwischenwahlen am 4. November sei dieser Hochmut schließlich bestraft worden. Die Niederlage der Republikaner sei nicht nur eine Abrechnung mit einzelnen Entscheidungen der Regierung, sondern vor allem mit Trumps Überheblichkeit, argumentiert Szuldrzyński.
Gazeta Polska: Nach den US-Wahlen: „Es ist nicht alles schlecht“
Die US-Zwischenwahlen und ihre möglichen Folgen für die amerikanische Außenpolitik stehen im Mittelpunkt eines Kommentars in der konservativen Tageszeitung „Gazeta Polska“. Der Publizist Michał Kuź vertritt die Auffassung, dass das Wahlergebnis trotz der innenpolitischen Instabilität in den Vereinigten Staaten auch Chancen für Polen und die Ukraine eröffnen könnte.
Ein geschwächter Präsident Donald Trump werde möglicherweise verstärkt nach außenpolitischen Erfolgen suchen, schreibt Kuź. Davon könnte Polen profitieren. Eine endgültige Vereinbarung über die Einrichtung eines dauerhaften amerikanischen Militärstützpunkts in Polen könnte zu einem solchen Erfolg werden.
Auch für die Ukraine sieht der Autor mögliche positive Entwicklungen. Trump habe vor den Wahlen unbedingt einen Frieden erreichen wollen – notfalls sogar auf Kosten ukrainischer Gebietsabtretungen an Russland. Dieses Vorhaben sei jedoch gescheitert. Bis Januar könne der US-Präsident noch versuchen, Verhandlungen voranzubringen. Danach dürfte der Kongress seine politischen Handlungsmöglichkeiten zunehmend einschränken. Zudem könnten seine Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner mit Untersuchungen durch Kongressausschüsse konfrontiert werden.
Die Demokraten wiederum kündigten bereits Initiativen an, um die Unterstützung für die Ukraine auszuweiten, hebt Kuź hervor.
Schließlich könnte die Wahlniederlage auch die Kräfteverhältnisse innerhalb der Republikanischen Partei verändern. Als möglicher neuer Hoffnungsträger rücke Außenminister Marco Rubio in den Blick. Er sei in Polen beliebt und dem Land gegenüber positiv eingestellt.
Autor: Joachim Ciecierski