Deutsche Redaktion

Das ungeheuerliche Erbe der „Nazi-Milliardäre“

24.04.2023 12:33
Viele der größten deutschen Unternehmerdynastien haben sich während der Nazi-Zeit immens bereichert. Warum sie von der Entnazifizierung verschont blieben und stattdessen noch reicher wurden, erklärt David de Jong in seinem Buch Braunes Erbe, das nun auch in polnischer Fassung erhältlich sein wird.
Das Buch Braunes Erbe von David de Jong wurden bereits in 17 Sprachen verkauft, und fr den 26. April ist eine polnische Premiere geplant
Das Buch "Braunes Erbe" von David de Jong wurden bereits in 17 Sprachen verkauft, und für den 26. April ist eine polnische Premiere geplantpress

Dem Buch widmen mehrere polnische Portale ihre Aufmerksamkeit, so auch das Nachrichtenportal tvp.info. In seinem Buch erzählt der niederländische Journalist David de Jong die Geschichte von Männern, die zur Wirtschafts- und Finanzelite des Dritten Reichs gehörten und sich Firmen, Banken und andere Vermögenswerte in ehemals jüdischem Besitz einverleibten. Zudem beuteten sie Zwangsarbeiter in Konzentrationslagern während des Zweiten Weltkriegs aus und machten so ihr Vermögen. Wie de Jong schreibt, kontrollieren viele dieser Personen nach wie vor einen beträchtlichen Teil der Weltwirtschaft.  Die monströsen Hinterlassenschaften der Dynastien, blieben der Öffentlichkeit bisher verborgen, schreibt tvp.info.

„Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie sich nie wieder hinter das Steuer eines Volkswagens setzen, Ihr Haus bei der Allianz versichern oder im Supermarkt nach einer Pizza von Dr. Oetker greifen, ohne dass Ihnen übel wird und Sie Angst bekommen“, schrieb die britische Zeitung The Daily Telegraph in einer Rezension des Buches. Das Buch wurden bereits in 17 Sprachen verkauft, und für den 26. April ist eine polnische Premiere geplant.

„Mir fiel auf, dass Unternehmen wie BMW oder Porsche und vor allem die Familien, die sie kontrollieren, bei verschiedenen Galas, Presseauszeichnungen usw. das geschäftliche Erbe ihrer Vorfahren, ihrer Väter und Großväter, feierten; ihre Verwicklung in Verbrechen und ihre Verbindungen zu den Nazis wurden dabei nicht einmal erwähnt“, sagt De Jong.

Der Autor stellt fest, dass für die USA und Großbritannien das Dritte Reich nach dem Krieg der Vergangenheit angehörte und die wachsende Macht der Sowjetunion und des Ostblocks eine reale Gefahr darstellte, weshalb sie ein starkes Deutschland mit einer starken Wirtschaft benötigten. Dies erklärt seiner Ansicht nach das Fehlen einer ernsthaften Abrechnung mit den „Nazi-Milliardären“, die ohne ernsthafte Konsequenzen aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgingen. 

Rzeczpospolita: Polnische Studenten entscheiden sich für Karrieren im Westen 

Nur einer von drei polnischen Studenten an Europas führenden Universitäten denke daran, im Lande zu arbeiten. Die anderen setzen auf höhere Gehälter und einen besseren Lebensstandard im Ausland, schreibt die konservativ-liberale Rzeczpospolita am Montag. An der Umfrage der Boston Consulting Group (BCG), die unter den Teilnehmern der jüngsten Ausgabe des Poland 2.0 Summit in Amsterdam durchgeführt wurde, nahmen mehr als 150 polnische Studenten teil. Alle Befragten studieren an führenden Universitäten in Europa.

Laut der Umfrage plane die große Mehrheit - drei Viertel- der jungen Polen eine Karriere im Ausland. Wie begründen sie ihre Entscheidung? In erster Linie sei es der höhere Lebensstandard im Westen (62Prozent) sowie die höheren Gehälter (52 Prozent). An dritter Stelle stehe die Qualität der im Ausland angebotenen Arbeit. Der höhere Lebensstandard, der von polnischen Studenten geschätzt wird, hänge auch mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zusammen, die in Polen nicht leicht zu erreichen sei.

Wir merken, dass immer mehr junge Menschen großen Wert auf die sogenannte „Life-Balance“ setzen, meint Natalia Kwiecień von Boston Consulting Group. Die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sei inzwischen das zweitwichtigste Kriterium für Studenten bei der Wahl eines Arbeitsplatzes, betont die Expertin. Dies sei wichtiger als verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten, ein dynamisches Arbeitsumfeld oder der Ruf des Unternehmens, sagt Kwiecień der Rzeczpospolita.


Joachim Ciecierski