WPROST: Ungarn vor der Wahl
Die Parlamentswahl in Ungarn rückt näher – und sie könnte für einen politischen Umbruch sorgen, schreibt die Wochenzeitschrift Wprost. Ein mögliches Szenario: Nach vielen Jahren an der Macht muss Ministerpräsident Viktor Orbán abtreten. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts Republikon liegt die Oppositionspartei TISZA derzeit vorn. Die Bewegung von Péter Magyar kommt auf 37 Prozent, Orbáns Partei Fidesz auf 31 Prozent. Auffällig ist jedoch der hohe Anteil Unentschlossener – fast ein Viertel der Befragten hat sich noch nicht festgelegt.
Unterstützung erhält Orbán unterdessen auch aus Polen. Präsident Karol Nawrocki war zu Besuch in Budapest. Nach dem Treffen erklärte er, Polen liebe die Ungarn, lehne jedoch den russischen Präsidenten Wladimir Putin entschieden ab. Russland bleibe eine Bedrohung, Putin sei ein Verbrecher, doch die Ungarn seien ein traditioneller Freund, so Nawrocki. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass die engen Beziehungen zwischen Orbán und Putin unerwähnt blieben.
Auch der Vorsitzende der PiS-Partei, Jarosław Kaczyński, stellte sich hinter den ungarischen Regierungschef. In einem Interview erklärte er, ein Wahlsieg von Fidesz – zusammen mit politischen Erfolgen konservativer Kräfte in Europa – könne die Europäische Union grundlegend verändern. Die EU befinde sich in einer Krise und müsse sich stärker auf die Zusammenarbeit souveräner Staaten konzentrieren.
Scharfe Kritik kam dagegen vom polnischen Außenminister Radosław Sikorski. Er warf Kaczyński vor, gegen die Interessen Polens zu handeln. Orbán blockiere wichtige Finanzmittel für die Modernisierung der polnischen Armee, bremse neue Sanktionen gegen Moskau aus und halte an Energieimporten aus Russland fest, erinnert die Wochenzeitschrift Wprost.
Tygodnik Powszechny: Einsamkeit im Alter - wenn Stille krank macht
In Polen leiden immer mehr ältere Menschen unter Einsamkeit, Angst und Depressionen. Obwohl das Bewusstsein für psychische Gesundheit wächst, bleibt das Thema bei Seniorinnen und Senioren oft tabu, stellt die Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny fest. Besonders alarmierend sind die Zahlen zu Suiziden: Im Jahr 2025 nahmen sich fast 950 Menschen über 65 das Leben, mehr als 500 unternahmen einen Versuch.
Fachleute sprechen von sogenannten „Gefangenen des vierten Stocks“ – Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen können, weil ihnen etwa ein Aufzug fehlt. Ein strukturelles Problem, für das es bislang kaum Lösungen gibt, erinnert die Wochenzeitschrift.
Experten, mit den das Magazin gesprochen hat, sind einer Meinung: Soziale Kontakte sind lebenswichtig – in jedem Alter. Wer niemanden zum Reden hat, fühlt sich schnell überflüssig und unsichtbar. Hinzu kommen digitale Ausgrenzung und fehlende Angebote, besonders in kleineren Orten. Viele ältere Menschen verbringen daher Stunden vor dem Fernseher – als Ersatz für Gesellschaft.
Sozialarbeiterin Justyna Żuk berichtet aus ihrer Praxis: Oft gehe es gar nicht um konkrete Hilfe. „Viele wollen einfach nur reden“, sagt sie. „Ein Gespräch über Alltägliches kann schon das Gefühl geben, gebraucht zu werden“, sagt die Frau im Gespräch mit der Wochenzeitschrift Tygodnik Powszechny.
Fakt: Euthanasie in Spanien. Ein Fall spaltet Europa
Ein Fall aus Spanien sorgt derzeit für heftige Diskussionen. Seit fünf Jahren ist dort aktive Sterbehilfe erlaubt, erinnert die Tageszeitung Fakt. Im Zentrum steht eine junge Frau, die nach einer schweren Gewalttat und einem Suizidversuch gelähmt ist. Zwei Jahre lang kämpfte sie vor Gericht für das Recht auf Euthanasie – gegen den Widerstand ihrer Familie. Sowohl ihr Vater als auch ihre Schwester waren dagegen gewesen.
Der Fall hat eine breite Debatte ausgelöst – auch unter Medizinern. Der Warschauer Psychiater Łukasz Święcicki äußerte sich besonders deutlich. Menschen mit schweren Depressionen seien nicht in der Lage, eigenverantwortliche Entscheidungen über Leben und Tod zu treffen, so der Experte. In solchen Fällen würden Patienten oft auch gegen ihren Willen behandelt – etwa per Gerichtsbeschluss.
Die Zustimmung zur Euthanasie in einem solchen Zustand bezeichnete er als medizinisch nicht vertretbar. Wörtlich sprach er von einem „absoluten Irrweg“. Auch grundsätzlich warnt Święcicki vor den Folgen: Wenn assistierter Suizid bei psychischen Erkrankungen akzeptiert werde, könne das langfristig die Behandlung und Prävention schwächen. Für ihn ist klar: Solche Maßnahmen dürften nicht zur Normalität werden, sagt der Psychiater Łukasz Święcicki im Gespräch mit der Tageszeitung Fakt.
Autor: Jakub Kukla