Deutsche Redaktion
Folge uns auf Google

Folge uns auf Google, um unsere News immer ganz oben zu sehen.

Deutschland – nah und doch fremd

28.10.2026 14:00
In der heutigen Presseschau geht es um das schwierige Verhältnis zum deutschen Nachbarn, um die Pläne der AfD für einen grundlegenden Umbau der Europäischen Union und um die Frage, welche politischen Gemeinsamkeiten sie mit der polnischen Rechten hat. Außerdem: das lukrative Geschäft rund um Allerheiligen – und neue Zahlen zum Bevölkerungsschwund in Polen. Welche Städte verlieren besonders viele Einwohner, und wo wächst die Bevölkerung noch?
Bild: Die polnisch-deutsche Grenze
Bild: Die polnisch-deutsche GrenzeRobert Stachnik/REPORTER

DO RZECZY:  Deutschland – nah und doch fremd

Obwohl Deutschland direkt vor der Haustür liegt, wissen die Polen nur mäßig viel über das Nachbarland, schreibt Piotr Semka in der Wochenzeitung Do Rzeczy. Das liege zum Teil an historischen Verletzungen, an der Abneigung gegen den Klang der deutschen Sprache und nicht zuletzt am geringen Interesse beider Gesellschaften aneinander. Bei Besuchen in Szczecin, dessen Zentrum nur 15 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt liegt, habe Semka oft gehört, dass Menschen noch nie auf der anderen Seite der Grenze gewesen seien. Ähnlich sei es in Berlin: Die deutsche Hauptstadt liegt nur rund 90 Kilometer von Polen entfernt, doch die große Mehrheit ihrer Einwohner habe das Nachbarland noch nie besucht.

Hinzu komme eine starke ideologische Prägung der polnischen Medienberichterstattung. Liberale Medien neigten dazu, die politische Führung der Bundesrepublik zu idealisieren und zugleich die AfD übermäßig zu dämonisieren. Auf der rechten Seite wiederum werde häufig ein Bild Deutschlands im Niedergang gezeichnet. Zugleich fehle es dort an spezialisierten Gruppen, die die deutsche Politik und insbesondere die größte systemkritische Partei fundiert analysierten. Das schüre einerseits Ängste, erschwere andererseits aber auch den Blick auf subtilere und möglicherweise beunruhigendere Entwicklungen innerhalb der AfD.

Die polnische Rechte erkenne seit Langem Gemeinsamkeiten mit der AfD, etwa bei der Ablehnung des Green Deals und der Migration aus Ländern der Dritten Welt. Semka bezweifelt jedoch, dass diese Übereinstimmungen ausreichen, um eine politische Zusammenarbeit aufzubauen.

 

RZECZPOSPOLITA: AfD will die EU grundlegend umbauen

Welche politischen Vorstellungen der AfD könnten auch polnischen Rechtsparteien gefallen? Dieser Frage geht die Tageszeitung Rzeczpospolita nach. Die erstarkende Alternative für Deutschland hat einen Plan zur grundlegenden Umgestaltung der Europäischen Union vorgelegt. Parteichefin Alice Weidel erklärte im Europaparlament, die EU müsse reformiert werden. An die Stelle der heutigen Gemeinschaft solle ein lockerer Zusammenschluss souveräner Staaten treten, in dem die Hauptentscheidungen in den nationalen Hauptstädten und nicht in Brüssel fielen.

Die AfD will vor allem die Macht der Europäischen Kommission beschneiden. Diese solle sich auf Verwaltungsaufgaben beschränken, statt Politik zu gestalten und neue Gesetze anzustoßen. Auch die Abschaffung bestimmter EU-Strukturen und eine Kürzung des Gemeinschaftshaushalts stehen auf dem Programm. Scharfe Kritik übt die Partei außerdem an der europäischen Klimapolitik, lesen wir in dem Blatt.

Angesichts wachsender Vorbehalte gegenüber der Ukraine könnten aber auch die AfD-Positionen zum Krieg bei Teilen der polnischen Rechten auf Zustimmung stoßen. Zwar spricht derzeit keine der großen polnischen Parteien offen von einer Normalisierung der Beziehungen zu Russland, doch die politische Stimmung könnte solche Debatten begünstigen.

 

DZIENNIK/GAZETA PRAWNA: Allerheiligen – ein lukratives Saisongeschäft

Das bevorstehende Allerheiligenfest kurbelt nicht nur die Produktion und den Handel mit Grablichtern an, sondern schafft auch zahlreiche Saisonjobs, schreibt Dziennik/Gazeta Prawna. Laut einem Bericht lässt sich mit einem Verkaufsstand vor dem Friedhof innerhalb weniger Tage mitunter mehr verdienen als in einem Monat im regulären Job.

Polen exportierte im letzten Jahr Grablichter und Kerzen im Wert von knapp drei Milliarden Złoty, was über 16 Prozent des weltweiten Exports entsprach und platzierte das Land auf der dritten Stelle weltweit und Platz eins in Europa. Mehr als ein Drittel der Waren ging nach Deutschland, weitere wichtige Absatzmärkte waren die Niederlande, Belgien, Rumänien und Tschechien. Auch bei künstlichen Blumen gehört Polen zu den weltweit führenden Exporteuren. Wichtigste Abnehmer waren Deutschland, Tschechien und die Slowakei.

Die Produktion von Kerzeneinsätzen, Glas und Grabdekorationen beginnt bereits im Sommer. Im August und September stellen die Betriebe zusätzliches Personal ein. Wenn die Kunden ihre Grablichter und Blumen kaufen, sei die arbeitsintensive Produktionsphase in den Fabriken bereits weitgehend vorbei, schreibt das Blatt.

Auch Privatpersonen können vor Allerheiligen legal Blumen und Grablichter verkaufen oder Gräber reinigen. Wer frühzeitig günstig einkauft und einen guten Verkaufsplatz am Friedhof findet, kann in wenigen Tagen beachtliche Einnahmen erzielen. Besonders gefragt sind Chrysanthemen, Grablichter, Kerzeneinsätze, aber auch Feuerzeuge, Streichhölzer und Gestecke. Zu den beliebtesten Nebenjobs zählt außerdem das Reinigen und Pflegen von Gräbern.

 

GAZETA.PL: Polen schrumpft – nur wenige Städte wachsen

Polens Bevölkerung geht weiter zurück. Die neuesten Zahlen des Statistikamts GUS zeigen, wie stark manche Städte vom Bevölkerungsschwund betroffen sind. In Polen sterben seit Jahren mehr Menschen, als geboren werden. Zugleich altert die Gesellschaft. Auch Umzüge verändern die Bevölkerungszahlen: Manche Menschen ziehen in Vororte, andere in größere Städte. Dadurch können sich benachbarte Gemeinden demografisch sehr unterschiedlich entwickeln.

Der Rückgang macht auch vor den größten Städten nicht halt. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten 15 der 18 Woiwodschaftshauptstädte weniger Einwohner als zu Jahresbeginn. Den größten absoluten Verlust hatte Łódź: Innerhalb von sechs Monaten sank die Einwohnerzahl um über 3 Tausend. Prozentual ähnlich entwickelte sich die Lage in Bydgoszcz. Auch Kielce und Gorzów Wielkopolski verloren Einwohner. Eine Ausnahme bilden Krakau, Warschau und Rzeszów 168. Damit waren diese drei Städte die einzigen Woiwodschaftshauptstädte, die in diesem Zeitraum ein Bevölkerungsplus verzeichneten, berichtet Gazeta.pl.

Jakub Kukla