Wie Kosiniak-Kamysz am Freitag betonte, befinde sich die Ukraine in einer äußerst schwierigen Phase – mitten in Friedensverhandlungen und unter dem Eindruck möglicher Korruptionsfälle auf höchster Ebene. „Das ist keine gute Nachricht für Polen und Europa“, erklärte der Minister. Er äußerte die Hoffnung, dass „die seit vier Jahren heroische Verteidigung der Ukraine“ nicht durch solche Affären geschwächt werde. Diese könnten – so warnte er – von „feindlichen Kräften“ zusätzlich instrumentalisiert werden.
Forderung nach Aufklärung
Der Minister unterstrich, Polen erwarte „klare Erklärungen“ aus Kiew. Die strategische Unterstützung der Ukraine bleibe jedoch bestehen: „Dort verläuft die Grenze unserer Sicherheit.“ Gleichzeitig erinnerte er daran, dass eine EU-Mitgliedschaft nur mit transparenter Antikorruptionspolitik möglich sei.
Hintergrund: Durchsuchung bei Jermak
Am Freitag hatten die Antikorruptionsbehörden NABU und SAP das Haus von Jermak durchsucht. Der enge Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj gilt als Schlüsselfigur in den Gesprächen mit den USA über einen möglichen Friedensplan. Jermak erklärte, er kooperiere vollständig mit den Ermittlern.
Größte Korruptionsaffäre seit Jahren
Die Durchsuchung ist Teil einer breiten Korruptionsermittlung im ukrainischen Energiesektor. NABU und SAP hatten Anfang November ein System von Schmiergeldzahlungen im Umfeld des staatlichen Atomkraftwerksbetreibers Enerhoatom offengelegt. Bestechungsgelder in Höhe von 10 bis 15 Prozent der Vertragswerte, insgesamt rund 100 Millionen Dollar, sollen über ein „Back Office“ im Zentrum Kiews gewaschen worden sein.
Unter den Verdächtigen ist auch Tymur Minditsch, ein Geschäftsmann und Mitstreiter Selenskyjs, der kurz vor den Durchsuchungen aus der Ukraine geflohen ist.
PAP/jc