Er rief zugleich zu Versöhnung in der heutigen Zeit auf. Die Worte von damals könnten auch aktuellen Konfliktparteien Orientierung bieten: „‚Wir vergeben und bitten um Vergebung‘ – mögen diese Worte für die heute verfeindeten Nationen ein Zeugnis dafür sein, dass Versöhnung und Vergebung möglich sind“, sagte er. Voraussetzung sei, dass sie „aus dem beiderseitigen Wunsch nach Frieden und gemeinsamem Handeln, in Wahrheit und zum Wohl der Menschheit“ entstünden.
„Wir vergeben und bitten um Vergebung“
Am 18. November 1965 verfassten die beim 2. Vatikanischen Konzil anwesenden polnischen Bischöfe einen Brief, der als der Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder in die Geschichte einging. In diesem Dokument schildern die polnischen Würdenträger die schwierige Geschichte der polnisch-deutschen Beziehungen, laden das deutsche Episkopat zu Feierlichkeiten anlässlich des 1000jährigen Jubiläums des Christentums in Polen im Jahr 1966 ein und rufen zur Versöhnung: „In diesem allerchristlichsten und zugleich sehr menschlichen Geist strecken wir unsere Hände zu Ihnen hin in den Bänken des zu Ende gehenden Konzils, wir vergeben und bitten um Vergebung".
Die Verfassung des "Hirtenbriefes" stieß auf scharfen Widerstand der Machthaber und führte zu Repressionen gegenüber der Kirche in Polen. Diese Worte haben die deutsch-polnischen Beziehungen der Nachkriegszeit nachhaltig geprägt und ihr Autor, der Metropolit Wroclaws Kardinal Bolesław Kominek, kann als einer der Gründerväter Europas bezeichnet werden.
PAP/jc