Anlass ist ein Vorschlag des Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Er hatte angeregt, Deutschland könne Polen als Frontstaat militärische Ausrüstung schenken, etwa „ein U-Boot, eine Korvette oder einige Panzer“.
Der Kommentator Philipp Fritz widerspricht deutlich. Das Angebot sei „zweifellos in guter Absicht“ gemacht worden, „verkennt jedoch nicht nur die Realität in Polen, sondern auch, was Polen heute ist“, schreibt er.
Polen verfüge inzwischen über hochmoderne Streitkräfte und sei nicht mehr auf Unterstützung wie früher angewiesen. Anders als 2002, als die polnische Luftwaffe MiG-Kampfjets aus Beständen der ehemaligen DDR erhielt und „die polnische Armee Deutschland dankbar war“, habe sich die Lage grundlegend verändert.
Heute stelle Warschau nach den USA und der Türkei die drittgrößte Armee innerhalb der NATO. Das Land investiere mehr als vier Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung und rüste massiv auf. Dazu gehörten unter anderem F-35-Kampfjets, Apache-Hubschrauber, Abrams-Panzer und Himars-Raketenwerfer.
„Wer das sieht, sollte eher darüber nachdenken, dass Polen Deutschland Waffen liefert“, zitiert die Zeitung ihren Kommentator.
Nach Ansicht von Fritz fühlen sich viele Polen von Berlin noch immer nicht als gleichberechtigter Partner behandelt. „Paternalistische Äußerungen wie die von Ischinger zementieren diesen Zustand“, heißt es in dem Beitrag.
Statt über Geschenke zu sprechen, sollte Deutschland laut „Die Welt“ prüfen, ob es polnische Systeme beschafft. Als Beispiel nennt Fritz die polnische Flugabwehrrakete Piorun. Die Bundeswehr habe Schwierigkeiten, US-Stinger-Raketen zu erhalten: „Die Reserven gehen zur Neige, die Wartezeiten verlängern sich. Dabei gibt es eine polnische Alternative – die Rakete Piorun.“
Ein solcher Schritt könnte nach Einschätzung des Autors auch zu einer Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen beitragen.
interia/jc